Flüchtlingshilfe ist oft unscheinbar – und geschieht immer vor Ort.

Auch Horst Seehofer wurde nach dem Urteil zum Betreuungsgeld von Isa Lange skizziert.

Auch Horst Seehofer wurde nach dem Urteil zum Betreuungsgeld von Isa Lange skizziert.

Ich bin eine Woche durch Deutschland gefahren, jeden Morgen los, jeden Abend daheim.
Und jeden Tag einen Beitrag geschaffen. Und eigentlich ging es jeden Tag um Flüchtlinge – und wie in Deutschland, abseits der Nachrichten, abseits des Getöses damit umgegangen wird.

Da sind viele Eindrücke auf mich eingeprasselt.

Dr. Birte Förster, die das Projekt „Geflüchtet“ ins Leben rief – um daran zu erinnern, dass Flucht und Vertreibung zu unserem Leben gehören. Nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg. Flucht und Vertreibung kennen wir schon aus biblischen Zeiten.
Christof Lenzen ist Pastor einer Freien evangelischen Gemeinde in Eschweiler. Hier dolmetscht eine 14-jährige den ganzen Gottesdienst für die syrischen Flüchtlinge, die in der Gemeinde Zuflucht gefunden haben.
Sie ist einigen Menschen in den sozialen Medien bekannt: Isa Lange hält Fernsehbilder in Bleistiftskizzen fest. Darüber erzählte sie mir, dass Studenten der Uni in Hildesheim sich für Flüchtlinge engagieren. Sie gehen in Unterkünfte und erteilen Deutsch-Unterricht (Neues Fenster mit Audio). Oder machen Sport mit den Flüchtlingen, Fußball zum Beispiel. Und das regelmäßig.

Deutschland ist bunt.
Deutschland ist hilfsbereit, was (aus meiner süddeutschen Sicht) auch die Hilfsbereitschaft der Münchner zeigt, als Montag und Dienstag mehrere tausend Flüchtlinge am Hauptbahnhof ankommen.

Ich bin tief berührt von Eurer Hilfsbereitschaft. Und ich sage „Danke“. Als jemand, der wegen Erkältung (die Klimaanlagen des ICE, Kenner kennen sich aus!) besser das Bett hütet. Und als jemand, der sich nicht medial auf den „Hype“ draufhängt. Weder als Reporter, noch als #BloggerfürFlüchtlinge, noch als jemand, der tätig bei der Ankunft der Flüchtlinge in München teilnehmen konnte.

Nein. Mir war etwas anderes wichtig: Tätige Hilfe ist oft unscheinbar, geschieht vor Ort oder im Netz und braucht auch genau diese Beispiele des Alltags.
Danke.
Vielleicht helfen die Audio-Beispiele der letzten Woche, dass der eine oder andere Positionen erkennt und überdenkt.
Vielleicht ist das das Scherflein, das ich dazu beitragen kann oder will.
Ohne Hashtag – auch wenn ich diese Aktionen Klasse finde. Weil sie die gelebte Politik konterkarieren.

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Grüne beschweren sich, nicht zum Asylgipfel geladen zu sein

Christine Kamm und Margarete Bause zur Flüchtlingspolitik Bayerns

Christine Kamm und Margarete Bause zur Flüchtlingspolitik Bayerns

Man müsse sein Hirnschmalz besser einsetzen als zu versuchen, die Flüchtlinge abzuwehren, formulierte es Christine Kamm. Margarete Bause sprach davon, dass es das helle Deutschland gebe, das sich dem dunklen entgegenstellen müsse. Die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nannte Bause „rechten Terror“ und statt sichere Herkunftsländer zu definieren, solle sich Bayerns Staatsregierung lieber Gedanken machen, dass Bayern ein sicheres Ankunftsland wird. Die Fraktionschefin der Grünen beklagte sich darüber, dass die Opposition nicht zum Asylgipfel eingeladen sei, der am Donnerstag in der Staatskanzlei stattfindet. Hier der Wortlaut des Pressestatements:

Christine Kamm forderte Ankunftszentren für Jugendliche und Erwachsene, nicht mehr Bundespolizei nach Bayern, sondern mehr Hallen. Darüber hinaus müssten die Verfahren verschlankt werden. Die Ehrenamtlichen sollten besser unterstützt werden, die Gesundheitskarte müsse für Flüchtlinge wie in Nordrhein-Westfalen eingeführt werden. Darüber hinaus könnten Flüchtlinge als Jobcoaches und Arbeitsvermittler für Nachkommende eingesetzt werden:

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Leserreise: Dass man darüber stolpert – Bilder und Eindrücke zu Flucht

Isa Lange erzählt beim Betrachten ihrer Bilder

Isa Lange erzählt beim Betrachten ihrer Bilder

Vielleicht sind Ihnen in sozialen Netzwerken oder einer Zeitung schon die Bleistiftzeichnungen von Isa Lange aufgefallen. Szenen aus Fernsehübertragungen, ein Pressebild, nachskizziert von Bleistift. Die Zeichnerin ist Isa Lange. Isa Lange hat Kunst und Deutsch studiert und arbeitet an der Pressestelle der Universität Hildesheim. Ihre Zeichungen sollen zum Nachdenken anregen. Daneben schildert und schreibt Isa Lange, wie sich Flüchtlinge in den Universitätsbetrieb einleben und wie Lehramtsstudenten Sport mit Flüchtlingen machen oder Deutschunterricht geben. Ich habe mich mit Isa Lange, die auch als @stadtmaulwurf twittert, zu einem Gespräch getroffen.
In Teil eins geht es um ihre Skizzen, in Teil zwei um das universitäre Engagement für Flüchtlinge.
Die Skizzen von Isa Lange halten den Augenblick fest. Den Augenblick? Einen Augenblick. Den Augenblick, den sie auswählt. Sie braucht einen Bleistift, einen Spitzer, einen Radierer und ein weißes Blatt. Und natürlich ein Motiv:

(8:18 / 9 MB)

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit einem Mädchen aus einer Flüchtlingsfamilie Szene aus dem Bürgerdialog „Gut leben in Deutschland” Bleistift, 210 x 297 mm, 2015 aus der Serie „documenting media images” Illustration, 2015, © Isa Lange

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit einem Mädchen aus einer Flüchtlingsfamilie
Szene aus dem Bürgerdialog „Gut leben in Deutschland”
Bleistift, 210 x 297 mm, 2015
aus der Serie „documenting media images”
Illustration, 2015, © Isa Lange


Haltung brauchen und zeigen auch die Studenten, die sich für Flüchtlinge engagieren. Regelmäßige Sportstunden, Deutschunterricht oder Hilfe, sich ins universitäre Leben einzugliedern. Eine lange Erzählung, der man die Freude über die Bereicherung anmerkt:

(11:49 / 14 MB)

Weiterführende Links und Informationen:
Das Blog mit der Serie „documenting media images” (#docuimage, Medienbilder dokumentieren)
Bildungswege nach der Flucht
Theater/Künste verbinden / Mehr als nur Theater
Sport gibt Kraft und kann verbinden

Das Bild aus dem 30 Sekunden langen Video, das im Internet auf Twitter verbreitet wurde, dokumentiert einen Moment, nachdem ein Helfer einen Flüchtling aus dem Wasser gerettet hat. Wenige Sekunden danach fährt der Blick des Helfers bereits über die Weite des Meeres, auf der Suche nach weiteren Menschen, deren Leben es zu retten gilt. Bleistift, 210 x 297 mm, 2015 aus der Serie „documenting media images” Illustration, 2015, © Isa Lange

Das Bild aus dem 30 Sekunden langen Video, das im Internet auf Twitter verbreitet wurde, dokumentiert einen Moment, nachdem ein Helfer einen Flüchtling aus dem Wasser gerettet hat. Wenige Sekunden danach fährt der Blick des Helfers bereits über die Weite des Meeres, auf der Suche nach weiteren Menschen, deren Leben es zu retten gilt.
Bleistift, 210 x 297 mm, 2015
aus der Serie „documenting media images”
Illustration, 2015, © Isa Lange

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Freie evangelische Gemeinde: Für Syrer dolmetscht eine 14-jährige

Christof Lenzen ist der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Eschweiler.

Christof Lenzen ist der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Eschweiler.

„Komm, wir haben noch Zeit, wenn Du willst, zeig’ ich Dir meine Kirche.“ Ich wollte und dann stand ich in der Kirche der Freien evangelischen Gemeinde Eschweiler. Christof Lenzen ist der Pfarrer und ich kenne ihn von Twitter. Er könnte mir viel erzählen, über seine Berufung als Pastor, darüber, dass er Bücher schreibt, einen Sohn hat, der verdammt gut Klavier spielt. Beim Mittagessen und dem anschließenden Kaffee albern wir herum, twittern ein bisschen, was kein schlechtes Zeichen sein muss.
Wir betreten sein Pfarrzentrum. Ein großes Foyer mit Tischen, eingedeckt zum Kaffeetrinken – ein typisches Phänomen bei Evangelischen, sagt Christof.
Neugierig schaue ich durch die Tür in den Kirchenraum. Hell, spitzgieblige Fenster. „Das war mal ein Edeka und die Fenster sind so original übernommen. – Du willst Fotos machen? Moment, dann mach ich hier aber mal Licht.“ Der Pastor verschwindet hinter dem Regiepult, zieht am Lichtpult Regler hoch. Wir gehen durch den Raum. „Da hinten ist unsere kleine Sakristei.“ Ich schaue rein und mir fällt ein Mischpult auf. Für eine Sakristei ein ungewöhnlicher Gegenstand, zumal die Beschallung von hinten gemacht wird. Im Gegensatz zu den sauber unter Putz und Boden verlegten Mikrokabeln sind die zu diesem Mischpult nur mit Gewebeband befestigt.
Pastor Christof Lenzen erzählt mir, dass hier eine 14-jährige sitzt, die die Gottesdienste simultan für Syrer übersetzt. Und die Syrer zum ersten Mal ihren Glauben leben können. Dass sie in ein paar Wochen in die Gemeinde aufgenommen werden. Dass sie integriert sind.

(2:36 / 2,5 MB)

Lenzen-Altar

Altarraum

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Rinderspacher: Seehofer muss ein Zeichen der Empathie setzen!

Markus Rinderspacher, SPD - Fraktionschef im Bayerischen Landtag (Archivbild)

Markus Rinderspacher, SPD – Fraktionschef im Bayerischen Landtag (Archivbild)

Seehofer habe die große Linie der Bayerischen Ministerpräsidenten verlassen, konstatierte Markus Rinderspacher. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bayerischen Landtag erinnerte an Wilhelm Högner, den Nachkriegsministerpräsidenten der SPD. Dieser habe die Flüchtlinge aus dem Sudetenland zum vierten Stamm Bayerns erklärt. Edmund Stoiber habe die Juden als fünften Stamm Bayerns bezeichnet. Horst Seehofer habe in sieben Jahren nicht mal ein Flüchtlingsheim besucht. Nach der Sommerpause erwartet Rinderspacher eine Regierungserklärung von Ministerpräsident Seehofer. Mittlerweile wenden sich Kommunalpolitiker jeder Couleur an den Landtag und an ihn und bitten um Hilfe. Die Gerichte seien überlastet, statt neue Stellen zu schaffen würden nur vorhandene umgeschichtet. Tagtäglich werfe die CSU Nebelkerzen.

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher im Wortlaut:

(17:06 / 16,4 MB)

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@BayernGerechter-Chef #Rinderspacher rückt vom #Erfurt​er OB #Bausewein ab

Markus Rinderspacher, SPD - Fraktionschef im Bayerischen Landtag (Archivbild)

Markus Rinderspacher, SPD – Fraktionschef im Bayerischen Landtag (Archivbild)

In einer Stellungnahme im Bayerischen Landtag hat sich der Fraktionschef der BayernSPD, Markus Rinderspacher, vom Oberbürgermeister der Stadt Erfurt distanziert. Andreas Bausewein (SPD) hatte den Gedanken aufgebracht, Kinder von Asylbewerbern angesichts der Übergriffe nicht mehr beschulen zu lassen. Für Bayern beronte Rinderspacher, dass die Schulsituation angepasst werden müsse. Die BayernSPD arbeite das auch in den Sommerferien auf:

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Ursachen und Geschichte(n) von #Flucht – ein Gespräch mit @gefluechtet

Dr. Birte Förster vom Blog gefluechtet.de über Vertreibung und Flucht.

Dr. Birte Förster vom Blog gefluechtet.de über Vertreibung und Flucht.

In den letzten Wochen tauchte ein Account auf Twitter auf, der sich unscheinbar „@gefluechtet“ nennt. Abseits von den täglichen Meldungen über Flüchtlinge, Asylbewerber und die teils hässlichen Ausschreitungen grade in Deutschland versuchen die Initiatoren, für das Schicksal von Menschen zu sensibilisieren, die flüchten müssen. Dr. Birte Förster hat zusammen mit Moritz Hoffmann diesen Account ins Leben gerufen und bestückt das Blog gefluechtet.de mit Geschichten und Biografien, Ursachen und Umgang. Im Gespräch gab sie eine kleine Exkursion, die anzuhören sich lohnt: Gute zehn Minuten, die zeigen, dass Menschen schon immer mit Flucht zu tun hatten.

(9:45 / 11 MB)

Der Twitteraccount und das Blog entstanden hauptsächlich durch Vernetzung auf Twitter. Birte Förster über Soziale Medien und deren Geburtshilfe:

(2:32 / 3 MB)

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Leserreise: Grober Unfug – Über Comics, Kiez und Fanzines

Herr Quitzi.

Herr Quitzi.

Zugegebenermaßen: Herr Quitzi heißt gar nicht Herr Quitzi. Aber er ist Herr Quitzi. Auf Twitter. Und auf adn. Da lernte ich ihn kennen und auch, wenn ich mittlerweile nicht mehr bei adn bin, dann ist mir Herr Quitzi auf Twitter treu geblieben. Herrn Quitzi finden Sie in einem Comicladen in der Torstraße 75 in Berlin. Ziemlich genau an der Grenze von Mitte zu Prenzlauerberg. „Da drüben“, deutet Herr Quitzi auf die andere Straßenseite, „da drüben is Mitte.“ Rund 120 Quadratmeter hat der Laden, mit Kellern, Kaffeeküche und Nebenräumen. Und wie viele Comics genau sich bei „Grober Unfug“, so heißt der Laden, finden? Herr Quitzi hat da auch nicht den genauen Überblick. Aber dafür erzählt er wunderbar. So wunderbar, dass ich gar nichts dazu erzählen muss. Ein Gespräch nicht nur über Comics. Auch über sein Fanzine. Und über Stadtteilgrenzen. Und Kiez. Und er rät Comic-Newbies wie mir, erst mal reinzugucken:

Das Fanzine, von dem Herr Quitzi spricht, gibt es wie auch die Comics in der Torstraße 75 in Berlin bei Grober Unfug. Nachschlag zu einem Fanzine, das im nächsten Jahr erscheinen wird. Über Tel Aviv:

Herzlichen Dank, dass ich zu Gast sein durfte!

Blick aufs Sortiment

Blick aufs Sortiment

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Besuch in Zirndorf. 2013, als es schon eng war.

Hinweis: Dieser Text erschien zuerst an Weihnachten 2013, als ich ein paar Tage vorher in der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf war – zusammen mit der BayernSPD. Schon damals platzte Zirndorf aus allen Nähten, die Ankömmlinge mussten teils in den Garagen untergebracht werden – im Kasernengebäude oder den Containern war schon lange kein Platz mehr.

Die Landtags-SPD macht sich ein Bild von der Wirklichkeit in Zirndorf.

Die Landtags-SPD macht sich ein Bild von der Wirklichkeit in Zirndorf.

Zugegeben: Zu Weihnachten schreibt es sich leicht zu einem Thema wie Flüchtlinge. Und auch zugegeben: Wenn die SPD zu Weihnachten ein Aufnahmelager für Asylbewerber besucht, mag man auf die Idee kommen, dass das eben zu Weihnachten gut ins Portfolio passt. Aber: Dem war nicht so, als Markus Rinderspacher, Doris Rauscher, Angelika Weikert und Arif Tasdelen die Aufnahmeeinrichtung Zirndorf besuchten.
Wandmalerei im Cafe, angefertigt von einem Künstler, der die Expo 2000 und die Repressalien seines Heimatlandes nutzte, um Asyl zu beantragen.

Wandmalerei im Cafe, angefertigt von einem Künstler, der die Expo 2000 und die Repressalien seines Heimatlandes nutzte, um Asyl zu beantragen.

Einzig anheimelnder Zufluchtsort: Das Cafe in einer der Baracken. Ansonsten sind Gebäude und Gelände in Zirndorf eingezäunt und haben oben auf dem Zaun auch noch Stacheldraht. Als ob hier jemand freiwillig rein wolle. Raus schon eher, aber das braucht bei Asylverfahren Zeit. Die Aufnahmeeinrichtung liegt im nasskalten Winterwetter, unwirtlich. Auf den Gängen drängen sich Menschen, alte, junge, Mütter mit schreienden Kindern, die warten, bei den verschiedenen Bediensteten vorgelassen zu werden. Der Leiter der ZAE, Werner Staritz, erläutert die Geschichte der Aufnahmeeinrichtung. Die Kaserne wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern beschlagnahmt worden:

In die Containerzimmer müssen statt einem schon zwei Stockbetten gestellt werden. Dann können manchmal Eltern und Kinder zusammenleben.

In die Containerzimmer müssen statt einem schon zwei Stockbetten gestellt werden. Dann können manchmal Eltern und Kinder zusammenleben.

Die Aufnahmeeinrichtung ist für 740 Personen ausgelegt, die größtenteils in Containern leben müssen. Untergebracht sind derzeit in Zirndorf aber 900 Personen, „Hoffnungslos überbelegt”, so der Kommentar eines Verantwortlichen. Neuankömmlinge werden für die erste Nacht in einer LKW-Garage untergebracht. Stockbetten dicht an dicht, nachträglich wurden Heizkörper eingebaut, damit es wenigstens warm ist:

90 solcher Notbetten hat die Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf. Verteilt auf 2 Garagen. Caritas und Rummelsberger Diakonie leisten vor Ort Hilfe und betreuen auch die Kinder, die in diesem spielerischen Rahmen Deutsch lernen. Die SPD-Abgeordneten bekamen ein Ständchen, das „Nusslied”:

Markus Rinderspacher und Arif Tasdelen freuen sich über das Ständchen der Kinder.

Markus Rinderspacher und Arif Tasdelen freuen sich über das Ständchen der Kinder.

Als Anerkennung für das Ständchen verteilten Angelika Weikert, Doris Rauscher, Markus Rinderspacher und Arif Tasdelen Schokolade an die Kinder. Klar, dass sich die Kinder freuen. Eines versucht sogar, eine zweite Packung zu mopsen. Zu verdenken ist es ihm nicht. Arif Tasdelen, der erste SPD-Abgeordnete im Bayerischen Landtag, der türkischstämmig ist, hat sich auf jugoslawisch oder kroatisch versucht zu verständigen:

In den Containerburgen sind auch Kochgelegenheiten. Möchten Sie darauf kochen?

In den Containerburgen sind auch Kochgelegenheiten. Möchten Sie darauf kochen?

Doris Rauscher lobte das Engagement von katholischer und evangelischer Kirche, damit wenigstens die Kinder diese belastende Situation ertragen können. Die zweieinhalb Stunden am Vormittag seien aber nicht ausreichend, die Verantwortlichen wünschen sich mehr:

Vordringlich sei auch eine bessere medizinische Versorgung, auf einem Grundstück nebenan wäre Platz, Widerstand der Nachbarn regt sich. Die SPD-Abgeordneten fordern nicht nur eine bessere Versorgung der Asylsuchenden, sondern darüber hinaus auch eine dritte Aufnahmeeinrichtung, Würzburg wäre neben München und Zirndorf ein Standort. Nur so könnte die Situation entspannt werden. Unterstützung bekommen Rinderspacher und Kollegen von den Mitarbeitern in Zirndorf:

Auf diesem Grundstück neben der ZAE könnte ein Medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Nachbarn sind dagegen, das Landratsamt kann nicht handeln.

Auf diesem Grundstück neben der ZAE könnte ein Medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Nachbarn sind dagegen, das Landratsamt kann nicht handeln.

Zirndorf im Dezember – auch das ist bundesrepublikanische Wirklichkeit. Die Augen erwachsener Flüchtlinge strahlen, weil sie im Internetcafe via Computer Deutsch lernen können. Die Kinderaugen strahlen, weil sie Schokolade bekommen.
Im Cafe steht ein einsamer Weihnachtsbaum, der kaum beachtet wird, die Christen, die nach Zirndorf flüchten, feiern zumeist erst am 6. Januar Weihnachten.

Markus Rinderspacher, eloquenter Fraktionsvorsitzender der SPD im Bayerischen Landtag zeigt sich betroffen und hört viel zu, schweigt, fragt und gibt nur wenige Statements gegen die Staatsregierung:

Schlussnotiz: Die Verwaltung wäre als erstes schon mal gut beraten, wenn der Zettel bei der Einlasskontrolle entschärft würde. Dort steht allen Ernstes, man möge die „gelbe Lagerkarte” beim Betreten bereithalten. Mehr Sensibilität, auch vor dem Hintergrund deutscher Geschichte, wäre angebracht. Das soll keine Kritik am Engagement der Mitarbeiter sein, die sich unglaublich für die Asylsuchenden einsetzen.


Disclaimer: Aus verständlichen Gründen habe ich keine sich um Asyl bewerbenden Personen abgebildet. Ebenso muss ich das Bild zur Einlasskontrolle schuldig bleiben, mich mit der Security anzulegen, schien mir nicht empfehlenswert.

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Wolln’s a Tegernseer oder a Frucade?

Siegen im Siegerland. Blick vom Schloss. Der Admiral hat gequakt.

Siegen im Siegerland. Blick vom Schloss. Der Admiral hat gequakt.

Letztes Jahr habe ich mich langsam reingetastet und in diesem Jahr will ich’s wissen. „Heinrich graut’s“ macht eine Leserreise.
Vom 24. August bis 4. September besuche ich Euch.
Ich will natürlich nicht mit leeren Händen kommen. Ich bringe ein Tegernseer oder Augustiner mit (eine Halbe!) – eher ein symbolisches Mitbringsel.
Was ich will: Gute Gespräche.
Und: Durchaus das eine oder andere oder jeden Besuch für mein Blog. Da wird auch Audio und mit Foto aufgezeichnet. Das solltet Ihr abkönnen.
Themen: Social Media – und Eure Anliegen.
Achso: Neben der Aufzeichnung haben wir natürlich auch off-Gespräche, die nie in dieses Blog kommen.

Die Zeit läuft. Ihr seid an der Reihe. ;)

… und damit es gleich klar ist: Ich bringe ein Tegernseer oder ein Augustiner mit.
Und ich freue mich auf Euch!

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