Ein Plan für das „Neue Odeon”, den zukünftigen neuen Münchner Konzertsaal

Das Neue Odeon im Ensemble.
Das Neue Odeon im Ensemble. (Entwurf M. Krempels)

Neuer Vorschlag in der Konzertsaal-Debatte für München: Der Konzertsaalverein hat den Entwurf eines jungen Architekten vorgestellt. Dazu eine Grünstudie, die zeigen soll, dass sich das Gebäude gut in das angedachte Gelände des Finanzgartens einfügen soll, ohne die Umwelt (zu sehr) zu belasten.

Die Umgebung der Galeriestraße ist derzeit eher unansehnlich. Das Landwirtschaftsministerium auf dieser Seite eine Baustelle, die Straße selber eine Sackgasse und Parkfläche für Autos. Die Podiumsteilnehmer sind sich einig: Der Plan von Markus Krempels würde eine Bereicherung für diesen urbanen Flecken darstellen. Die greifbare Nähe zum alten Odeon, heute Herberge des Innenministeriums, die Erreichbarkeit mit vier U-Bahn-Linien und zwei Buslinien, all das sind gewichtige Punkte für den Standort. Dazu kommt, dass der Finanzgarten aus Sicht des Konzertsaal-Vereines aufgewertet werden würde. Und auch die Umgebung spricht dafür: Die Staatskanzlei als architektonischer Blickfang, der Hofgarten mit Dianatempel und der nahe gelegene Englische Garten, all das spricht für ein Konzertsaal-Ensemble. Manfred Wutzlhofer, der Vorsitzende des Konzertsaalvereins mit dem Grundsatz der Überlegungen:

Wutzlhofer führte weiter aus:

Das Areal an der Galeriestraße - wenig einladend.
Parkplatz des Landwirtschaftsministeriums an der Galeriestraße – wenig einladend.

Während der jahrelangen Suche nach einem akzeptablen Standort für den dringend
notwendigen Konzertsaal in München wurde, vor allem von Architektenseite, immer
wieder der Standort an der Galeriestraße vorgeschlagen. Nachdem alle Versuche,
andere Standorte für das Projekt vorzusehen, gescheitert sind, gibt es eine
stadtplanerisch einmalige Chance, das nord-östliche Areal der Altstadt im Bereich
der Galeriestraße mit dem Bau eines neuen Konzertsaals erheblich aufzuwerten.
Gegenwärtig ist dieses Areal eingezwängt
– im Norden vom Altstadtring entlang der Von-der-Tann-Straße,
– im Süden von der als Parkplatz genutzten und derzeit unansehnlichen
Galeriestraße,
– im Westen von einem versiegelten Parkplatz des Landwirtschaftsministeriums,
dem sich nach Osten der weitgehend abgeschottete Finanzgarten anschließt
und der sich gegenwärtig als eine verborgene und eher abweisende
Grünfläche, aber nicht als bemerkbarer, attraktiv erlebbarer Stadtpark
darstellt.
Durch das historische bedeutsame Umfeld von Residenz, Hofgarten, Odeonsplatz
und Ludwigstrasse und dem ökologischen Stellenwert des Finanzgartens können
dort neue Planungsvorhaben nur akzeptabel sein, wenn sie auf die dortigen
besonderen Anforderungen sehr sensibel Rücksicht nehmen.
Am Beispiel des Planungsentwurfs von Markus Krempels, der anschließend
vorgestellt wird, kann aufgezeigt werden, dass dies durch eine durchdachte attraktive
Architektur und gleichzeitig durch eine neue und sehr kreative
landschaftsplanerische Gestaltung des Umfelds nicht nur möglich ist, sondern
dadurch das gesamte nord-östliche Altstadtareal wesentlich aufgewertet werden
kann. Der Entwurfsverfasser, Herr Krempels wurde dazu nicht von uns beauftragt,
sondern hat seinen Entwurf als Studienarbeit im Rahmen seines Architekturstudiums
an der TH Nürnberg angefertigt. Es ist klar, dass die endgültige, zur Ausführung
kommende Planung über die dafür notwendigen Verfahren, insbesondere auch über
einen Architektenwettbewerb gefunden werden muss.

Galeriestraße - der Blick auf das Neue Odeon mit Plantanen.
Galeriestraße – der Blick auf das Neue Odeon mit Plantanen. (Entwurf M. Krempels)

Der Stadtheimatpfleger Gert F. Goergens zeigt sich vom Entwurf von Markus Krempels ebenso beeindruckt:

Beginnend mit dem Jahr 2004 hat sich die Architekturfakultät der TUM in München
vom Lehrstuhl Prof. Hannelore Deubzer mit dem Standort am Rande des
Finanzgartens befasst und das Thema als Diplomarbeit gestellt.
Im Sommersemester 2013 wurden auf der Vorlage des Raumprogramms des
Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ganze 45 Diplomarbeiten
verfasst, von denen die besten Arbeiten dokumentiert sind. Sie zeigen eine enorme
Vielfalt an Entwurfsideen, aber auch eine große Freiheit im Umgang mit dem Ort.
Anfang 2013 gelang es über Prof. Florian Fischer an der Technischen Hochschule,
den jungen Architekturstudenten Markus Krempels für eine Abschlussarbeit seines
Studiums der Architektur für den Konzertsaal zu gewinnen. Diese Arbeit zeichnet
sich durch eine ungewöhnliche, intensive Auseinandersetzung mit dem Ort, der
Topographie, der Stadtsilhouette und einer stupenden Durchdringung der
komplexen Aufgabenstellung aus. Darüber hinaus bietet der Entwurf sowohl
konstruktive als auch gestalterisch einen sehr faszinierenden, heiteren, poetischen
Ansatz.

Robert Röthel, Manfred Wutzlhofer (beide Vorstand Konzertsaal München e.V.), Markus Krempels (Architekt), Stadtheimatpfleger Gert Goergens, Dipl.-Ing. Heiner Luz
Robert Röthel, Manfred Wutzlhofer (beide Vorstand Konzertsaal München e.V.), Markus Krempels (Architekt), Stadtheimatpfleger Gert Goergens, Dipl.-Ing. Heiner Luz
Krempels ging in seiner Vorstellung darauf ein, dass das Areal am Finanzgarten nur spärlich genutzt wird. Die Galeriestraße wird als unter anderem als Parkraum für Autos genutzt. Fußgänger verlieren sich nur selten hier hin.

Um diese Verbindung zu schaffen, wird die signifikante Topographie
des Finanzgartens erhalten und aufgenommen und in das Innere des Gebäudes
übertragen. Die Ebenen „umspülen“ das Herzstück – den Konzertsaal – und
ergeben in den Schnittpunkten die Ränge und Tribünen der Zuschauerbereiche.
Es entstehen offene, großzügige Räume, die fließend ineinander übergehen und an die
Wegeführung der Fußpfade des Finanzgartens erinnern.
Städtebaulich schließt der Entwurf an die strengen und klaren Formen der
Umgebungsbebauung an. Eine Dynamik erreicht die Gebäudeform in den
Fassaden, die sich in Richtung Finanzgarten schwunghaft und auflockernd
präsentieren. Durch ihre transparente und offene Gestaltung fließen Außen- und
Innenräume ineinander über. Die Dynamik findet sich auch im Dach wieder, das
westlich an der Traufhöhe des Ministeriums anknüpft. Die Bewegung nimmt in
Richtung des Finanzgartens zu und deutet den Übergang zum Blätterdach des
Baumbestands an.

Letztlich, so Krempels, könnte das ganze Areal gewinnen:

Der Innenraum des Neuen Odeons, die Symbiose von Natur, Bau und Kunst.
Der Innenraum des Neuen Odeons, die Symbiose von Natur, Bau und Kunst. (Entwurf M. Krempels)

Wie schon angedeutet, ist der Entwurf von Markus Krempels nur eine Abschlussarbeit seines Architekturstudiums. Dennoch ist anzumerken, dass dieser Plan, die Durchdachtheit und die Berücksichtigung der durchaus komplizierten Umgebung verdienen, dass drüber nachgedacht wird.
Auch der innere Gedankengang zum Konzertsaal selber ist konsistent.

Im Zentrum des Inneren steht vor allem anderen der Konzertsaal – das
Herzstück. So ist auch dessen Form organisch geformt und erlaubt, in Verbindung
mit der roten Signalfarbe, Assoziationen an das wichtigste menschliche Organ, die
sich auch durch die offenen Fassaden hindurch sichtlich abzeichnen. Über acht
Hauptzugänge gelangen die Konzertbesucher zu ihren Plätzen und in den ca.
1.800 Sitzplätze fassenden Saal. Seine Proportionen sowie die Anordnung und
Lage seiner Ränge basiert dabei einerseits auf dem klassischen
„Schuhschachtelprinzip“, andererseits rückt das Orchester durch umliegende und
rückwärtige Ränge mehr ins Zentrum – ähnlich wie in der Philharmonie Berlin.

Mit einer Planung wie dieser und den entsprechenden Akustikprofis könnte hier das akustische Schmuckstück Münchens entstehen. Kaum zu verhehlen, dass es architektonisch schon als Schmuckstück daherkommt.
Bleibt abzuwarten, was Finanzsäckel und Mitsprachewille von Stadt und Land hergeben.

(Fotos: Konzertsaalverein München)

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4 thoughts on “Ein Plan für das „Neue Odeon”, den zukünftigen neuen Münchner Konzertsaal

  1. „Die Staatskanzlei als architektonischer Blickfang“ ist ein hübscher Euphemismus… ;-)
    Insofern ist eine architektonische Aufwertung des Geländes davor sicher nicht verkehrt..

    Die Notwendigkeit der Tiefgarage stelle ich in Abrede. Die Pläne dafür wurden 1967 in einer Zeit gefasst, als die Autogerechte Stadt als das Nonplusultra galt; die benachbarte Von-der-Tann-Straße ist ein Ausdruck derer. Zusätzlichen MIV muss man nicht ins Zentrum schleusen, ganz im Gegenteil. Und wie Wutzlhofer sagte: Mit vier U-Bahnlinien wäre das Neue Odeon hervorragend angebunden. Der Fußweg von der Tiefgarage am Max-Joseph-Platz ist auch zumutbar.

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