Dokumentiert: Der offene Brief des Konzertsaalvereins

Zur präferierten Gasteig-Sanierung: Auf Kosten und Qualität achten und
Alternativen bereithalten

Der Konzertsaalverein München protestiert gegen die von Ministerpräsident Seehofer und Oberbürgermeister Reiter gegenwärtig präferierte Lösung, anstelle des von Ministerpräsident Seehofer wiederholt versprochenen zusätzlichen neuen Konzertsaals nunmehr lediglich die vorhandenen Konzertsäle Philharmonie im Gasteig und Herkulessaal der Residenz zu sanieren.

Damit wird nicht die dringend notwendige Kapazitätserweiterung geschaffen, sondern der derzeitige Zustand festgeschrieben, der zu dauerhaften, auch wirtschaftlichen Einschränkungen des Münchner Konzertbetriebs führt und dem konzertanten Musikleben in München eine dringend notwendige Expansionsmöglichkeit vor allem auch für die Jugendförderung verhindert.
München wird dadurch schon in naher Zukunft seine führende Position als Musikstadt für konzertante Musik nicht mehr behaupten können. Die gegen die Entscheidung bereits erfolgten stürmischen Proteste von tausenden von Bürgern in der Stadt und auch von außerhalb sowie die negativen internationalen Pressereaktionen zeigen, dass hier eine unhaltbare Absicht verfolgt wird, die bereits jetzt dem Standort München einen schweren Schaden zugefügt hat.

Wir fordern daher,

1) die verantwortlichen Politiker von Staat und Stadt auf, die jetzt präferierte Zielsetzung zu überdenken. Die Argumente, die für diese Präferenz wiedergeben werden, sind fragwürdig und durch keinerlei Untersuchungen oder Verfahren objektiv belegt;

2) in den kommenden Verhandlungen zwischen Staat und Stadt sollen und müssen ganz entscheidende ungeklärte Fragen behandelt werden, wie vor allem exakte Kosten eines Umbaus der Philharmonie im Gasteig unter der Zielsetzung eine Spitzenakustik zu erreichen, Belegungspläne für Münchner Philharmoniker, BR-Sinfonieorchester und Drittveranstalter in Philharmonie und Herkulessaal, belastbare Kalkulationen über die Dauer des Betriebsausfalles während der Umbauphase für die Philharmonie sowie konkrete Benennung von Interims-Aufführungsstätten und deren konkrete Betriebsbedingungen.

Es zeichnet sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ab, dass auch hier wesentliche Fragen nicht ausreichend beantwortet werden können oder zu nicht ausreichend lösbaren Problemen führen. Deshalb fordern wir die Bereitschaft zu Offenheit für bessere Lösungsalternativen.

Wir werden den Verhandlungsprozess aufmerksam begleiten und fordern angesichts der zu erwartenden hohen Kosten und Probleme ein für alle Bürger transparentes Verfahren. Insbesondere muss nachvollziehbar geklärt werden, mit welchen Kosten bei einem qualifizierten Umbau zu rechnen ist sowie, welche tatsächlichen Qualitätsveränderungen vorgesehen sind. Bei der leidvoll erfahrenen Neigung der politisch Verantwortlichen zu unzureichenden Minimallösungen ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, dass am Ende, um Kosten zu sparen, nur noch eine qualifizierte Schönheitsreparatur herauskommt.

3) Besonders unverständlich ist es, dass der wiederholt von der fachlich hochkarätig besetzten Arbeitsgruppe im Kultusministerium vorgeschlagene Standort für einen neuen Konzertsaal an der Galeriestraße am Rande des Finanzgartens verfahrensmäßig nicht weiter untersucht, sondern mit unbewiesenen Befürchtungen unberücksichtigt blieb.

Wir fordern daher, die Untersuchungen dazu auch parallel zur jetzt beschlossenen Präferenz weiter zu führen, um bei den zu erwartenden Problemen bei den Verhandlungen von Staat und Stadt kalkulierbare Alternativen zeitnah zur Verfügung zu haben.

Durch einen städtebaulichen Ideenwettbewerb können die sensiblen Punkte am Standort Galeriestraße (Bau eines neuen Konzertsaals mit Tiefgarage und erste Kostenermittlungen, geringstmöglicher Eingriff in den Finanzgarten mit verbesserter Wahrnehmbarkeit und Zugänglichkeit, bürgerfreundliche Aufwertung des dortigen Quartiers der Altstadt) abgeklärt und die dafür notwendigen Entscheidungsgrundlagen erarbeitet werden mit der Chance, über dieses transparente Verfahren eine breite Zustimmung in der Bürgerschaft zu finden.

Dieser Brief ist 1:1 übernommen und kommt vom Konzertsaalverein.

Hinweis:
Sie können sich für einen Konzertsaal einsetzen, die Petition zeichnen Sie hier.

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