Schwabach: Ein Hase in der Laubhütte

Schwabach bekommt ein jüdisches Museum: Es ist ein Wohnhaus, das Ende des 18. Jahrhunderts von einem Schwabacher Juden gekauft wurde und eine Besonderheit beherbergt: Im zweiten Stock befindet sich eine Laubhütte. 2001 wurde die Sukka im Rahmen von Sanierungsarbeiten entdeckt und gerettet. Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest, ist vergleichbar mit unserem Erntedank.

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Einige der Fresken in der Laubhütte, neben dem Hasen sind zu sehen Moses mit den Gesetzestafeln und links daneben die Opferung Isaaks. Auch wird deutlich, dass die Kassettendecke ausgehängt wurde, um die Decke mit Zweigen bedecken zu können. Zu Sukkot wurde auch das Dach abgedeckt.

Schwabach hat eine bis ins Mittelalter zurückgehende jüdische Geschichte. Im 17. Jahrhundert blühte das Leben in Schwabach, sogar eine berühmte Talmudschule gibt es hier. Bedrängt wird jüdisches Leben aber auch hier immer wieder durch Pogrome, zunichte gemacht wird die jüdische Geschichte durch die Nationalsozialisten. 1938 wurde Schwabach „judenfrei“ gemeldet. Bis auf wenige „Displaced Persons“ von 1945 bis 1949 waren nach dem Krieg keine Juden mehr in Schwabach, sieht man vom Tabakhändler Wolf ab, der als einziger aus dem KZ Theresienstadt nach Schwabach zurückkehrte. Er starb 1948.

Daniela Eisenstein ist die Museumsdirektorin des JFM und erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz das Konzept des Museums:

 

Videofilme ergänzen und erklären die Ausstellung.
Videofilme ergänzen und erklären die Ausstellung.

Im ersten Stock des ehemaligen Wohnhauses bekommt man in einer Videoschau eine Übersicht über jüdisches Leben in Schwabach. Im zweiten Stock wird dann die Laubhütte erklärt, die auch betreten werden kann. Die Hasenjagd erinnert den gläubigen Juden übrigens an die Reihenfolge der Gebete zu Sukkot. Auch hier verschafft ein Video den nötigen Ein- und Durchblick. Daniela Eisenstein ist stolz, dass die Laubhütte in Schwabach geblieben ist:

 

Daniela Eisenstein und Günther Beckstein stellen die App vor.
Daniela Eisenstein und Günther Beckstein stellen die App vor.

In Dauerausstellungen gibt jüdische Ritualgegenstände zu sehen, die vorwiegend mit Sukkot, dem Laubhüttenfest, zu tun haben.
Ergänzt wird die Ausstellung dadurch, dass man die Synaogengasse mit in das Ensemble einbezogen hat. Hier sieht man an zwei Stellen auf dem Pflasterboden Nieten eingelassen. Zur Zeit des jüdischen Gemeindelebens waren hier Holztore. Diese konnten geschlossen werden, so dass um das Haus des Rabbiners und der Synagoge eine Art Vorhof entstand.
Das museale Angebot wird unterstützt durch eine App, die nicht nur über das von Moses Löw Koppel gekaufte Haus und seine Laubhütte informiert, sondern ebenso ehemals jüdisches Leben in Schwabach wieder sichtbar werden lässt. Rund eine Stunde kann man so in der Stadt unterwegs sein.

Günther Beckstein ist der Schirmherr des Hauses in der Synagogengasse in Schwabach. Er betonte, dass die Juden der fünfte Volksstamm Bayerns seien und man nicht über ihre Geschichte hinweggehen dürfe:


Der ehemalige Ministerpräsident bedankte sich bei Daniela Eisenstein, dem Förderverein und den Sponsoren für die gute Arbeit und das Zusammenwirken:

 

In der Synagogengasse finden sich Nieten. Hier waren einst Tore.
In der Synagogengasse finden sich Nieten. Hier waren einst Tore.

Ab 7. Juni 2015 ist das Museum immer sonntags von 12-17 Uhr geöffnet. Führungen gibt es um 14 und 15 Uhr, sie kosten 5 Euro, um Anmeldung per Telefon oder Mail wird gebeten. Schulklassen oder Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten eine Führung buchen. Das Museum findet sich in der Synagogengasse 10a, zu Fuß rund 20 Minuten vom Bahnhof entfernt. Alle Informationen auch auf der Website des Jüdischen Museums Franken.

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