Tweetup in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Kann man in einem ehemaligen KZ einen Tweetup veranstalten, also ein Treffen von Twitternutzern?
Ist das nicht angesichts des Schreckens und der Gräuel unangemessen?
Die Antwort:
Ja, man kann. Vielleicht muss man sogar.

Nachbetrachtungen zu einem Tweetup in der KZ-Gedenkstätte

Zeitzeugen sterben aus, Gedenkstätten wie das Konzentrationslager in Dachau bekommen eine immer wichtigere Bedeutung. Das sieht auch Steffen Jost so. Er führte eine kleine Gruppe samt Smartphones über das Gelände. Drei Stunden Rundgang, die Zeit für Fragen ließen, aber auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Schrecken der Nationalsozialisten ermöglichten.

Einer der Wachtürme in Dachau. Von hier aus konnten der Appellplatz und die Verwaltungsgebäude bewacht werden.
Einer der Wachtürme in Dachau. Von hier aus konnten der Appellplatz und die Verwaltungsgebäude bewacht werden.

Immer weniger Jugendliche haben Großeltern oder Verwandte, die die Jahre 1933 bis 1945 noch aus eigener Anschauung kennen. Aber, so Jost, das Interesse von 14- bis 15-jährigen Jugendlichen an der Zeit des Nationalsozialismus ist ungebrochen:

 

Hier ist der Grundriss des Hauses der Gestapo auf dem Boden markiert. Das Haus war die erste Station für politische Gefangenedie nach Dachau eingeliefert wurden.
Hier ist der Grundriss des Hauses der Gestapo auf dem Boden markiert. Das Haus war die erste Station für politische Gefangene, die nach Dachau eingeliefert wurden.


Die mediale Vermittlung im Dritten Reich war einer der zentralen Maßnahmen, die die Nationalsozialisten benutzten, um ihr Regime und Handeln dem Volk „schmackhaft“ zu machen. Die Nazis überliessen nichts dem Zufall. Im KZ Dachau fotografierte ein von der SS bestallter Fotograf im Sinne des Regimes:

Politische Gefangene werden nach Dachau eingeliefert.
Politische Gefangene werden nach Dachau eingeliefert. (Kopie eines Originalfotos, als Reproduktion auch in der Ausstellung zu sehen)


Im Bildhintergrund sieht man das Verwaltungsgebäude der SS, vor dem die Gefangenen erst einmal anstehen mussten.

Im Hintergrund das Haus, dessen Eingang auch auf dem vorstehenden Foto zu erkennen ist. Es war Sitz der Lagerverwaltung. Links Bahngleise. Diese lassen vermuten, dass hier Gefangenentransporte ankamen. Dem war aber nicht so: Nach Dachau wurden die Gefangenen meist per LKW gebracht – oder sie mussten vom Bahnhof Dachau die letzten Kilometer zu Fuß zurücklegen.
Im Hintergrund das Haus, dessen Eingang auch auf dem vorstehenden Foto zu erkennen ist. Es war Sitz der Lagerverwaltung. Links Bahngleise. Diese lassen vermuten, dass hier Gefangenentransporte ankamen. Dem war aber nicht so: Nach Dachau wurden die Gefangenen meist per LKW gebracht – oder sie mussten vom Bahnhof Dachau die letzten Kilometer zu Fuß zurücklegen. Die Bahngleise stammen aus der Zeit, als auf dem KZ-Gelände noch eine Munitionsfabrik betrieben wurde.

 

Zeichnung eines Lagerinsassen, nach der Befreiung angefertigt. Eine Gruppe Gefangener wird in das KZ Dachau getrieben.
Zeichnung eines Lagerinsassen, nach der Befreiung angefertigt. Eine Gruppe Gefangener wird in das KZ Dachau getrieben.

In der Gruppe wird über die Zeichnung diskutiert:


Nachdem die Häftlinge das Tor durchschritten hatten, mussten sie ins Schurhaus. Dort wurden sie ihrer persönlichen Habe beraubt. Ihre Kleider wurden in Papiersäcken gelagert, Geld und persönliche Gegenstände einbehalten. Die Gefangenen wurden penibel registriert.

Erklärtafel in der KZ-Gedenkstätte in Dachau.
Erklärtafel in der KZ-Gedenkstätte in Dachau.

Die Stammdaten der Häftlinge wurden mit Tinte auf Karten eingetragen, weitere Daten mit Bleistift, damit sie leichter geändert – und damit auch vertuscht werden konnten.
Auch in diesem Raum gibt es eine beeindruckende Fotografie, gefertigt wieder von Friedrich Franz Bauer. Gefangene, geschoren, in einfacher, aber nicht in Häftlingskleidung beim Appell. Position des Fotografen: Oberhalb. Die Erniedrigung im Bild.

Fotografie von Gefangenen. Von oben, um das „Untermenschentum“ der Gefangenen und die Überlegenheit des NS-Regimes zu vermitteln.
Fotografie von Gefangenen. Von oben, um das „Untermenschentum“ der Gefangenen und die Überlegenheit des NS-Regimes zu vermitteln.

Die Teilnehmer diskutieren:

 

Im Badehaus wird auf SChautafeln sehr viel über das Lagerleben, aber auch den Widerstand im Lager vermittelt, der auf vielfältige Weise probiert und praktiziert wurde.
Im Badehaus wird auf Schautafeln sehr viel über das Lagerleben, aber auch den Widerstand im Lager vermittelt, der auf vielfältige Weise probiert und praktiziert wurde.

@FriederikeFloss liest einen Bericht eines KZ-Häftlings über die Schikanen der SS vor, denen sie ausgesetzt waren:

 

Im KZ Dachau können auch zwei rekonstruierte Baracken besichtigt werden. Hier ein Schlafsaal aus der Anfangszeit, als es noch genug Material und Platz gab, den Häftlingen abgetrennte Schlafplätze zuzuteilen.
Im KZ Dachau können auch zwei rekonstruierte Baracken besichtigt werden. Hier ein Schlafsaal aus der Anfangszeit, als es noch genug Material und Platz gab, den Häftlingen abgetrennte Schlafplätze zuzuteilen.

 

Das erste Krematorium. das auf dem Gelände von Dachau installiert wurde.
Das erste Krematorium. das auf dem Gelände von Dachau installiert wurde.

 

Das Mahnmal
Das Mahnmal

 

Ein Ausschnitt einer Gedenkskulptur. Bemerkenswert ist, dass die rosa Winkel der homosexuellen Häftlinge fehlen. Hier gab es Bedenken der Überlebenden des KZ Dachau. Zur Zeit der Installation war Homosexualität nach §175 noch strafbar. Deswegen fehlen die Rosa Winkel.
Ein Ausschnitt einer Gedenkskulptur. Bemerkenswert ist, dass die rosa Winkel der homosexuellen Häftlinge fehlen. Hier gab es Bedenken der Überlebenden des KZ Dachau. Zur Zeit der Installation war Homosexualität nach §175 noch strafbar. Deswegen fehlen die Rosa Winkel.

Und das berüchtigte Tor mit dem schmiedeeisernen Spruch „Arbeit macht frei“?
In der jüngeren Vergangenheit hat der Diebstahl des Eingangstores des KZ Dachau Schlagzeilen gemacht. Interessant ist, was Steffen Jost dazu in Sozialen Medien ausgemacht hat:

 

Die Kopie des Tores von Dachau mit dem Spruch: „Arbeit macht frei“.
Die Kopie des Tores von Dachau mit dem Spruch: „Arbeit macht frei“.

Unter dem Hashtag #RundgangDachau können Sie die Tweets von @KathysSong, @FriederikeFloss, @dermitdemDonut und die weltweiten Reaktionen nachlesen.

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