Zorneding ist kein Einzelfall.

Der katholische Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat um seine Entpflichtung in Zorneding gebeten. Nachdem er sich im Herbst 2015 gegen die örtliche CSU gewandt hatte – deren Vertreter hatten Flüchtlinge als „Invasoren“ bezeichnet und den Pfarrer selbst als „unseren Neger“ beleidigt – streckt er die Segel.
Dabei ist diese Art von „katholisch sozialisiertem“ Rassismus nicht neu.

Ich bin aufgewachsen in einem der katholischsten Orte Bayerns, der keine Heiligtümer vorzuweisen hat, die verehrungswürdig wären. Katholisch im Sinne von allumfassend: Unser Pfarrer hat schon in den 1970er Jahren ohne Federlesens Selbstmörder auf dem Kirchacker begraben, meine Schwester hat eine evangelische Taufpatin, Kardinal Ratzinger, bedeutende Jesuiten verbrachten die hohen Feiertage mit uns – und für uns Ministranten waren die Sommerferien vom Pfarrer immer sehr spannend. Denn da kam regelmäßig eine Urlaubsvertretung.

Eines Sommers hatten wir dann einen dunkelhäutigen Pfarrer als Urlaubsvertretung, einen, um es der CSU verständlich zu machen: Neger.

Am Wochenende vor seinem Urlaub hat unser Pfarrer konzelebriert und seine Vertretung vorgestellt. Was mir – ich war damals ein Knabe von sieben bis zehn Jahren – in Erinnerung blieb: Nach dem Einführungsgottesdienst waren die Kirchenbesuchszahlen nach meiner (rudimentären) Erinnerung noch normal, die Schwestern aus den Erholungsheimen, die üblichen „verdächtigen“ Weiberl. Was mir jedoch auffiel: Schon am ersten Wochenende, an dem der Urlaubsgeistliche zelebrierte, war die Kirche merklich leerer als sonst. Und unsere Kirche war sonst bis auf den letzten Platz gefüllt. Es wurden von Wochenende zu Wochenende weniger, die in den Gottesdienst kamen. Trotz Sommer und Urlaub. Nicht, dass ich das damals besonders registriert hätte, es ist mir heute beim Nachdenken so eingefallen. Auffällig war es schon.

In den Jahren vorher und nachher ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir Ministranten mit allen Urlaubsgeistlichen und unserem Pfarrer eine Bergtour unternahmen. Selbst mit dem Holländer, der uns vom Heimatpfarrer als holländischer Prinzensohn vorgestellt wurde, der Pfarrer geworden sei. Nur mit diesem dunkelhäutigen Geistlichen nicht. Der ist ohne Verabschiedung und gemeinsame Unternehmung gegangen.

Ich möchte keinem irgendetwas unterstellen – aber irgendwas war damals anders.
Latent, für ein Kind nicht fassbar.
Irgendwas war da.

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