Zum Tode von Guido Westerwelle

Nachrufe zu schreiben ist nicht das meine.
Als ich ein junger Redakteur bei der Alpenwelle war (ein bayerischer Lokalsender für die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen), kam Guido Westerwelle nach Bad Tölz. Damals war er Generalsekretär der FDP. Ich habe in den letzten Wochen öfters an diesen Termin gedacht. Immer, wenn ich mit dem Bus oder als Beifahrer durch Bad Tölz fuhr.

Es ist mehr als 20 Jahre her, an Inhalte kann ich mich nicht mehr wortgenau erinnern. Für mich ist der Termin deswegen so präsent, weil ich als Radiomensch am Arbeiten gehindert war. Ich hatte eine teuflische Erkältung, mein Arzt hatte mir das Sprechen verboten, ich brachte auch keinen Ton raus. Und: Ich habe an dem Tag eine neue Art des Arbeitens entdeckt, die sich heute noch in meinem Blog widerspiegelt. Westerwelle sprach lange, er erklärte freidemokratische Politik und die Parteimitglieder haben viel mitgenommen, denke ich. Ich selbst saß nur da, ließ mein Aufnahmegerät mitlaufen, hörte zu, beobachtete Guido und machte wenige Notizen.

Die Fragen für das Interview stellte ein Kollege, Oliver Hinz, selbst Jungliberaler. Natürlich nach meinem Manuskript.
Den Radiobeitrag sprach ein weiterer Kollege für mich ein.

Aber ich hatte Zeit, Westerwelle zu beobachten. Und ich erlebte einen homo politicus, wie ich ihn in all den Jahren nur selten erlebt habe. Er begeisterte, polarisierte, pointierte. Inhalte? Ich weiß es nicht mehr, wirklich nicht mehr. Aufzeichnungen habe ich auch keine mehr.

Eine Einladung von Guido Westerwelle zur später stattfindenden Nacht der Liberalen schlug ich aus.
Ein paar Monate später habe ich ihn nochmal erlebt. Da sass er mutterseelenallein an einem Tisch im Café Villanis im Asamhof zu München. Ziemlich mittig, die anderen Gäste an den Tischen um ihn herum. Wir haben uns an dem Tag (ja, ich hatte meine Stimme wieder!) lange über Politik und Privates unterhalten. Die anderen Gäste interessierten sich kaum für einen der Ihren.

Ich bin selten mit Guido Westerwelle einer Meinung gewesen. Aber ich habe ihn geschätzt. Er hatte das Liberale im Blut. Er war (für mich) FDP.
Schade, dass ich dieses Gespräch nie fortsetzen konnte, nie mehr den Kontakt aufgenommen habe.

Aber danke, Guido Westerwelle, dass Du die deutsche Politik bereichert hast. Nicht immer ganz nach meinem Geschmack, aber immer nachdenkenswert. Das ist das, was für mich bleibt.

Nachrufe zu schreiben ist nicht das meine.

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