Bier. Macht. München – Eine Ausstellung im Stadtmuseum München

Wir schreiben das Jahr 2016 und viele Ausstellungen beschäftigen sich mit 500 Jahren Reinheitsgebot des Bieres. Das Jüdische Museum München legt den Schwerpunkt auf die Verbindungen, die Bier und Judentum haben. Und auch der Deutsche, wie auch der Bayerische Brauerbund feiern. Und auch das Stadtmuseum München spürt der Geschichte des Bieres in der bayerischen Hauptstadt nach. Eine solide gebaute Ausstellung, die man sich im Zusammenhang mit der Ausstellung im Jüdischen Museum anschauen sollte. 

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Das Plakatmotiv der Ausstellung im Stadtmuseum. (Bild: Stadtmuseum München)

„Bier. Macht. München“ ist bunt wie die Münchner Stadtkultur und zeichnet einen interessanten Weg des Gerstensafts nach. Von den Bayerischen Herzögen, die Hofbräu München gründeten bis hin zur Auswirkung auf Politik und Kunst unserer Tage. Im Eingangsbereich gleich eine Vitrine, in der praktisch dargestellt wird, was man für einen Liter Helles braucht: vier Liter Wasser, 160 Gramm Gerstenmalz, zehn Milliliter Hefe und  1,4 Gramm Hopfen. Dann geht es richtig los: Das Reinheitsgebot in der historischen Verordnungsfassung, Gerätschaften, die man zum Abmessen der Zutaten brauchte und immer wieder, wie im Rest der Ausstellung, viele kostbare Bilder und Repros, die einen Einblick in die Historie von Brauern, Brauorten und Brauarten geben.
Bis heute wirken auch noch die Namen der großen Brauereibesitzer in die Münchner Geschichte nach: Deren Brauereien sind auch heute noch auf dem Oktoberfest vertreten. Gabriel Sedlymayr der Ältere und der Jüngere (Spaten), Franz Xaver Zacherl (Paulaner), Josef Sedlmayr (Franziskaner) , Therese und Josef Wagner (Augustiner), Josef und Georg Pschorr, Georg Brey (Löwenbräu). Man begegnet aber ebenso Carl von Linde, der 1877 seine erste Kühlanlage verkaufte.
Nur drei Jahre vorher wurden die Markenzeichen für’s Bier eingeführt – jetzt konnte der Konsument auf einen Blick entscheiden, was er trinken will und wusste um die Qualität des Münchner Bieres. Alles eingereicht und eingetragen beim Königlichen Patentamt. Augustiner wurde übrigens erst 1895 als Marke geschützt.
In einem Lehrfilm von 1928 sieht man dazu sehr schön, wie damals Bier gebraut wurde und auf was, von der Hygiene über die Rohstoffe bis zum Abfüllen des flüssigen Goldes, geachtet werden musste.
Rund ums Bier gibt es viele rekordverdächtige Zahlen: Der Müncher-Kindl-Saal war zum Beispiel der größte in Deutschland. Interessant ist auch der Einblick, wie eine Gaststube im Mathäser anno 1960 aussah. Die Älteren der Leser können sich vielleicht erinnern. Da war über der Schenke ein Schnitzbild: Ein Schankkellner treibt einen Wechsel ins Fass, der Trinker wird ermahnt: „Dein Wahlspruch sei / trink Löwenbräu“.

Detailversessen, ohne zu belasten

Unionbräu-Werbung
Unionbräu-Werbung (Bild: Stadtmuseum München)

Die Anfänge des Bieres in München reichen in die Hannoversche Gegend zurück. Im 17. Jahrhundert bezog der Herzoghof das Bockbier aus Einbeck. Um den Zuspruch (übrigens auch aus der Bevölkerung) zu stillen, wurde die Hofbräu gegründet. Diese durfte bis 1818 alleinig ein Bockbier brauen. Infolge der Lockerung entstand in München ein richtiger Bockbierkult: Liedermacher und Bänkelsänger brachten ihr Lob auf den edlen Saft aus, jährlich wurden ihre Gedichte und Hymnen in einer Müncher Bockzeitung abgedruckt.
In einem speziellen Rundgang erläutert die Ausstellung die Verbundenheit des Bieres mit dem Kirchenkalender. Vom Josefibock über das Oktoberfest-Märzen bis hin zum Bier zu Weihnachten finden sich historische Belege.

In München gab es um 1800 mehr als 80 Braustätten in der Stadt. nach den ersten Konzentrationen auf dem Markt wurden daraus letztlich die sechs großen Brauereien, die heute noch auf dem Oktoberfest ausschenken. Aber, und das ist weitgedacht, zeigt eine der Schautafeln auch, dass sich was rührt in der Bierstadt München. Hier findet man neben der Forschungsbrauerei zum Beispiel auch den Richel-Bräu, der im Keller seines Mehrfamilienhauses ein Biermuseum und eine Heimbrauerei mit Besichtigungsmöglichkeit betreibt. Daneben findet sich im Stadtgebiet auch die „Crew Republic“ in Unterschleißheim, die das Bier für die Ausstellung im Jüdischen Museum braut.

Daneben wirft die Ausstellung im Stadtmuseum München auch einen Blick auf die neuen Trends: Vom Craftbier bis zu exotischen Sorten wird man sorgsam aus dem angestammten Kulturkreis herangeführt an Biere anderer Provenienz. Das zeigt sich auch in der Bierflascherl-Sammlung zum Ende der Exponaten-Sammlung: Leffe, Trappistenbier und chinesischer Brau in einträchtiger Reihe. Sorten, die 2015 in Münchner Märkten zu erhalten waren.

500 Jahre Reinheitsgebot, ein Grund zu landesweiten Feiern

Mein Tipp: Diese Ausstellung zusammen mit der im Jüdischen Museum anschauen (Dauer: ca. 3–4 Stunden). Ein umfassender Blick auf die Münchner Biergeschichte ist der Lohn. Alle Infos gibt es auf der Website des Stadtmuseums. Die Sonderschau geht bis 8. Januar 2017.

Übrigens: In der kommenden Woche feiern Bayerischer und Deutscher Brauerbund in Ingolstadt das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebotes. Angela Merkel und Ilse Aigner werden da sein und Reden halten. Ende April eröffnet dann die Landesausstellung „Bier“ in Aldersbach. Friedrich Düll, der Chef des Bayerischen Brauerbundes:


Heinrich graut’s berichtet.

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