Bier in Bayern – Die Bayerische Landesausstellung 2016

Betritt der Besucher den Vorraum der Ausstellung mit Museumsshop, riecht er gleich den typischen Brauereigeruch. Rainhard Riepertinger, der die Ausstellung federführend zusammengestellt hat, betont, dass alle Sinne in dieser Ausstellung angesprochen werden sollen. Seit Januar haben die Mitarbeiter des Hauses der Bayerischen Geschichte die 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche bestückt. Während für „Bier in Bayern“ in den Räumen des ehemaligen Klosters Aldersbach noch die letzten Exponate eingebaut wurden, durften Pressevertreter schon mal durch die drei Stockwerke schnuppern.

Bayern - Vom Wein- zum Bierland.
Bayern – Vom Wein- zum Bierland.

Rainhard Riepertinger ist stellvertretender Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte. Er hat die Ausstellung federführend konzipiert. Bayern, so erzählt er, war ein Weinland. Erst im 16. Jahrhundert änderte sich das:

Eine Wand aus lauter historischen und aktuellen Stein-Maßkrügen
Eine Wand aus lauter historischen und aktuellen Stein-Maßkrügen

Die historische Verbindung von Bier und Bayern lässt sich auch an der Statue der Bavaria festmachen. Als sie aufgestellt wurde, diente der kleine Finger auch als Trinkgefäß. Ludwig I. soll daraus getrunken haben. Drei Liter fasste der Finger. Doch bald schon drohte das Ungemach: Preußen mischte sich in innerbayerischste Gelegenheiten ein. Die Bayerische Maß fasste 1,06 Liter und wurde durch das 1-Liter-Trinkgefäß ersetzt:

Auf dem rechten Steinkrug sind zwei unterschiedliche Maße: die Bayerische und Preußische Maß.
Auf dem rechten Steinkrug sind zwei unterschiedliche Maße: die Bayerische und Preußische Maß.

Nach dieser kurzen historischen Abstraktion geht es dann aber gleich weiter in die Produktion des Bieres.

Ein Blick ins Sudhaus.
Ein Blick ins Sudhaus.

Rainhard Riepertinger ist froh über einen Vorzug des Ausstellungsortes Aldersbach, hier sind verschiedene Großgeräte noch ins Haus eingebaut:


Wichtig für die Kühlung des Bieres war das Eis. Bevor Carl von Linde seine Kühlmaschine erfand, gewann man das Eis aus der Natur. In Aldersbach kann man sich aus der Froschperspektive ein Bild davon machen, welch körperlich harte Arbeit das war.

Die Sau, ein Rum, der dem Trocknen des Malz diente.
Die Sau, ein Raum, der dem Trocknen des Malz diente.

Noch stärker als in der letztjährigen Ausstellung setzt das Haus der Bayerischen Geschichte auf Multimedia. Alle Sinne sollen angesprochen werden. So riecht man gleich nach dem Eintritt in den Ausstellungsraum den typischen Brauereigeruch. Einen Blick darf man in die „Sau“ werfen, man spürt die Hitze, die hier herrschte:

Der Geist der Darre wird in Aldersbach multimedial wiedererweckt.
Der Geist der Darre wird in Aldersbach multimedial wieder erweckt.

Und so gelangt man ein Stockwerk höher in die Darre. In Aldersbach war diese bis 1974 in Betrieb:

Ein Haus im Haus: Ein Modell einer Brauerei. Hier war von der Fassmacherei über die Darre und das Sudhaus bis zum Lagerkeller alles untergebracht. Die einzelnen Räume können beleuchtet werden.
Ein Haus im Haus: Ein Modell einer Brauerei. Hier war von der Fassmacherei über die Darre und das Sudhaus bis zum Lagerkeller alles untergebracht. Die einzelnen Räume können beleuchtet werden.

Natürlich wird auch auf das Reinheitsgebot eingegangen. Riepertinger räumt gleich mal damit auf, dass dieses auf einer Urkunde vermerkt worden sei. Urkundliche Darstellungen seien ein Fake:

Modell einer Wirtschaft früherer Jahrhunderte.
Modell einer Wirtschaft früherer Jahrhunderte.

Neben dem anschaulich gemachten Produktionsprozess des Bieres widmet sich die Landesausstellung auch dem Leben mit Bier und den manchmal verheerenden Auswirkungen. Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, räumt auch gleich mit dem Klischee auf, dass in früheren Jahrhunderten alle Standesunterschiede beim Bier aufgehoben gewesen seien:

Bier verändert Persönlichkeiten

Auf einer historischen Schießscheibe sieht man explizit dargestellt, dass die Bedienung sich des höher gestellten Gastes auch durchaus erwehren musste. Wollte dieser doch oft sexuelle Dienstbarkeit. Zur Abwehr musste auch schon mal der schwere Geldbeutel der Bedienung herhalten.

Augsburger Ausnüchterungszelle.
Augsburger Ausnüchterungszelle.

Und heute? Die Auswirkungen von übermäßigem Biergenuss haben sich nicht geändert. Neben oktoberfestmäßigen Sauf-Accessoires sieht man auch den originalen Einbau einer Ausnüchterungszelle aus Augsburg samt Preisverzeichnis für einzelne „Leistungen“. Richard Loibl:

In Büchern wie diesen wurden Plagiate des Münchner Biers dokumentiert.
In Büchern wie diesen wurden Plagiate des Münchner Biers dokumentiert.

Münchner Bier hatte einen exzellenten Ruf in der ganzen Welt. Das zeigt ja auch die Ausstellung im Jüdischen Museum München. Entsprechend galt ein „Gebraut nach Münchner Art“ als Qualitätssiegel. Und das Interesse der Münchner, Plagiate zu unterbinden, war hoch. Mehrere Bände mit Beweisstücken in Form von Anzeigen oder Etiketten zeugen davon:

Bier macht Personen

Die berühmte Schützenliesl - in der Vitrine gibt es Original-Kleidungsstücke der Bedienung zu sehen.
Die berühmte Schützenliesl – in der Vitrine gibt es Original-Kleidungsstücke der Bedienung zu sehen.

Mit Bier sind auch Persönlichkeiten verbunden. Ob der Erfinder des Schlenkerla, der Erfinder des Pils oder die Bedienung, die als Modell für die Schützenliesl diente: Auch diesen Menschen widmet sich „Bier in Bayern“:

Ein Totenkopf-Bierkrug.
Ein Totenkopf-Bierkrug.

Bayern ist voller Biergeschichten. Richard Loibl kennt eine besondere aus Niederbayern:


Abgerundet und beschlossen wird die Ausstellung unter einem wunderbaren Fresko. In dieser achten Station gibt es neben dem legendären Torwandschuss von Franz Beckenbauer (der vom Weißbierglas!) auch das erste Gewand der Mama Bavaria (Luise Kinseher) zu bewundern. Und auch eine Gendarmen-Uniform aus der Zeit des Dorfener Bierkriegs ist ausgestellt.

Uniform eines Gendarmen im Dorfener Bierkrieg.
Uniform eines Gendarmen im Dorfener Bierkrieg.

Alle Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Website zur Ausstellung. Für mobilitätseingeschränkte Besucher sind Aufzüge vorhanden.

Wer tiefer in die Materie einsteigen will: Bayern2 ist Partner der Landesausstellung und hat hörenswerte Sendungen im Angebot.

Anfahrt mit dem ÖPNV

Wer 18 Minuten Busfahrt nicht scheut (mit Kinderwagen evtl. weniger zu empfehlen, wenn es kein Niederflurwagen ist), kann günstig mit dem Bayernticket fahren. Beispielsweise ab München Hbf:
Um 09:24 Uhr fährt der RE von München Hbf nach Vilshofen(Niederbay) (an 11:20)
11:37 von Vilshofen Bahnhof mit dem Bus 6111 nach Aldersbach, Haltestelle Pfarrgarten, Ankunft: 11:55 Uhr, von dort aus sind es nicht mal 5 Minuten zu Fuß zum Freiherr-von-Aretin-Platz 1. Der Weg ist ausgeschildert.

Rückfahrt: Fußweg zur Haltestelle Pfarrgarten, Aldersbach, um 16:00 fährt der Bus 6111 zum Bahnhof nach Aldersbach. Ankunft 16:14 Vilshofen Bahnhof
Um 16:40 Vilshofen fährt der RE um 16.40 Uhr nach München Hbf, Ankunft 18:35. (Auszug aus dem Fahrplan auch hier.)

(Angaben ohne Gewähr, abgefragt mit der Navigator-App der DB)

Advertisements

3 thoughts on “Bier in Bayern – Die Bayerische Landesausstellung 2016

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s