Mündig in der smarten Welt – eine Tagung bei der @APBTutzing – #apbsmart

Informationstechnologie (IT) findet sich in jedem unserer Lebensbereiche. Um so dringlicher ist es, sich Gedanken darüber zu machen, wie man verantwortungsvoll mit der IT umgehen kann. Nicht nur im moralisch-philosophischen Kontext, sondern auch in einer gesellschaftlich-politischen Komponente.
Die Akademie für politische Bildung in Tutzing und die Regionalgruppe der Gesellschaft für Informatik, Regionalgruppe München luden deswegen Informatiker und Politiker, Philosophen und Wirtschaftsvertreter ein, um interdisziplinär ins Gespräch zu kommen. Informatik, so Wolfgang Glock von der Gesellschaft für Informatik müsse für die Gesellschaft begreifbar gemacht werden.

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Es war das erste Mal, dass die Akademie für politische Bildung in Tutzing explizit mit Informatikern und Wissenschaftlern anderer Disziplinen zu einer Tagung lud. Und, das Ergebnis vorweg genommen: Es war gut, es war gelungen. Akademiedirektorin Prof. Ursula Münch:


Das sah Carsten Trinitis von der GI, der Gesellschaft für Informatik genauso:

 

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In seinem Eröffungsreferat betonte Peter Liggesmeyer, dass die IT eine Querschnittstechnologie sei. Ob das Internet der Dinge, die Produktion und die Logistik, die Medizin, Mobilität, Energieversorgung, Nahrungsmittelproduktion – in allen Lebensbereichen sei Informationstechnologie eingebunden. Und da gebe es ethische Fragen: Das Auto, das autonom fahre, ein Beispiel: Wer entscheidet, wie es sich in „Krisensituationen“ fährt? Oder Smartgrid: Wie baue ich ein System so, dass es autonom stabil ist. Aber auch Smartfarming: IT versucht auch immer, mit einem ökologischen Fußabdruck zu arbeiten. Aber zurück zur Autonomie: Wer haftet bei einem selbstfahrenden Auto? Werden wir Verletzte oder Tote durch autonome Systeme akzeptieren? Bei Menschen akzeptierten wir diese „Restfehlerrate“, so Liggesmeyer:


Liggesmeyer spannte den Bogen von der Manufaktur bis hin zur Industrie 4.0: Nach der handwerklichen Stückfertigung, dem Maschineneinsatz, der Fließbandproduktion und der CNC-Fertigung müsse der Dreher heute noch programmieren können. Die Industrie 4.0 biete individuelle Einzelstücke zu geringen Kosten, autonome, selbstorganisierende Fertigung. Nach Liggesmeyer der Kreisschluss zur Industrie 1.0, nur eben billiger und mit weniger Menschen in Produktion. Das wiederum erfordere aber, dass junge Menschen heute schon in der Schule mehr Informatik im Unterricht haben müssten:


Auch Hannes Schwaderer (Intel & D21) griff das Thema auf: Brauchen wir die digitale Selbstbestimmung? Sein Fazit: 27 Prozent der Deutschen sind digitale Skeptiker, sechs Prozent sind smarte Mobilisten. Je besser die Bildung, desto souveräner gingen die Nutzer mit dem Netz um. Dieser digitale Graben, so Schwaderer, müsse geschlossen werden. Sein Rezept: Medienkompetenz.


800-Podium-nachmittag-IMG_4118Das Thema Digitalisierung und Unterricht war eines der beherrschenden. Man mag leicht müde lächeln, wenn man das liest, gibt es doch Veranstaltungen dazu landauf, landab zur Genüge. Aber, und hier sei ein „aber“ erlaubt, diese umfassende Komplexität war bislang selten auf vergleichbaren Veranstaltungen zu erleben: Einfach umfassend.

Digitale Mündigkeit: Bildung für einen verantwortlichen Umgang mit Informatik

Informatik und Bildung, Computer und Schule sind zwei Themen, die sowohl von Bildungspolitikern als auch von Informatikern als unbedingt zusammengehörig beurteilt werden. Ganz frei nach dem Grundsatz: Wir brauchen mehr Informatik in der Schule. Erwartungsgemäß sehen das aber die Politiker ganz anders als die Informatiker und wieder anders als Lehrbeauftragte an Universitäten. Im Schluss-Panel wurde das sehr deutlich. Einhelliges Fazit: Es braucht einen zeitgemäßen Umgang mit der Digitalisierung schon in der Schule. Kinder nur mit einem Tablet spielen zu lassen sei nicht zielführend. Die Lehrpläne müssten konsequenter ausgerichtet werden auf die Erfordernisse des 21. Jahrhundert. Zu oft hinken die Unterrichtspläne der Lebens- und IT-Wirklichkeit hinterher, da waren sich die Panelteilnehmer einig. Selbst Georg Eisenreich, Staatssekretär im bayerischen Bildungsministerium, musste das zugeben:


Jens Martin Loebel ist Sprecher des Fachbereiches „Informatik und Gesellschaft“ der Gesellschaft für Informatik, Universität Bayreuth. Es braucht mehr Grundkompetenzen:


Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der der Initiative D21:


Tobias Schrödel von „Sichere IT“ in München:


Agata Królikowski moderierte das Panel. Was möchte sie den Teilnehmern mitgeben? Digitalisierung und Ausbildung müssen vernetzt werden:


800-Philipp-MuellerIMG_4108Einmal war die Crowd, die sich in der Akademie zusammenfand, getrennt. Es gab zwei Workshops. Oder sagen wir besser: Diskussionsforen. Thomas Matzner von der GI moderierte und fasste zusammen, was die Teilnehmer bei „Digitaler Souveränität und Cyber Security“ diskutierten:


Und Philipp Müller berichtete von der Smart City:

Politik – Gesellschaft – Digitaler Wandel

Constanze Kurz, Prof. Ursula Münch und Ilse Aigner lieferten sich einen erfrischenden Dialog bei der Tagung. (Foto. Akademie für politische Bildung, Sebastian Haas)
Constanze Kurz, Prof. Ursula Münch und Ilse Aigner lieferten sich einen erfrischenden Dialog bei der Tagung. (Foto. Akademie für politische Bildung, Sebastian Haas)

Durchweg – und das gilt es wirklich zu betonen, wurde auf hohem Niveau diskutiert, Aggressionen blieben vor der Tür. Das zeitigte auch erstaunliche Ergebnisse bei der Aufzeichung eines Akademiegespräches. Ilse Aigner, die bayerische Wirtschaftsministerin, und Dr. Constanze Kurz von netzpolitik.org und Sprecherin des Chaos Computer Clubs, die Leitung bei Prof. Ursula Münch. Drei Frauen auf einem Podium. Erfrischend, tiefgründig, witzig mit bayerischem Humor und Berliner Schnauze tauschten sich die drei aus über die anstehenden Themen der Digitalisierung, die doch bitte schnellstmöglich umgesetzt gehören:

Was hat die Politik bei der Digitalisierung für Aufgaben?

Ilse Aigner, bayerische Wirtschaftsministerin:


Constanze Kurz vom Chaos Computer Club:


Ursula Münch, Moderatorin des Gespräches:


Und was soll der User beachten, was bedeutet die fortschreitende Digitalisierung für ihn?
Constanze Kurz:


Ilse Aigner:


Und Ursula Münch mit einer Synopsis:


Das Gespräch wird in ARD alpha am 6. August um 22.30 Uhr in der Denkzeit ausgestrahlt. Es lohnt.

Das Fazit der Akademie für politische Bildung in Tutzing:

Ob die informationelle Selbstbestimmung auf nationaler, europäischer oder gar globaler Ebene gelingen kann, oder in Zusammenarbeit oder gegen die großen (Daten- und Digital-)Konzerne – die nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in München, Berlin oder Zürich mit immensen Geldbeträgen einige der besten Programmierer, Juristen, Kommunikatoren, Start-Ups oder längst etablierte Unternehmen an sich binden – wird in den kommenden Jahren eine der großen Fragen der Wirtschafts- und Verfassungspolitik bleiben.

Den Bericht der Akademie in Kurzform und ohne die O-Töne gibt es hier.

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