Hopfen und Malz – Eine Bierausstellung in Grafing

„Genaueres wissen wir über die Anfänge nicht, wie haben einen ersten Anhaltspunkt um das Jahr 1205. Da wird ein „tabernarius“ Wilhelm genannt“, erklärt Bernhard Schäfer, der das Heimatmuseum der Stadt Grafing leitet und dem Verein vorsteht. So dunkel die Anfänge des Bieres auch sein mögen, so liebevoller und – vor allem lokaler – ist die Ausstellung im Erdgeschoss des Rieperdinger-Hauses. Das weiteste Exponat kommt aus dem Tresor der Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee. So darf man sich auf eine fein zusammengestellte und gut kuratierte Ausstellung freuen, die den Vergleich mit den großen Bierausstellungen dieses Jahres nicht antreten muss, ihn aber auch nicht scheuen muss.
Zeitsprung um gut 300 Jahre:

 

Bernhard Schäfer im nachempfundenen Grandauer Bierstüberl, das gemälde mit Szenen aus der Vergangenheit zeigt.
Bernhard Schäfer im nachempfundenen Grandauer Bierstüberl, das Gemälde mit Szenen aus der Vergangenheit zeigt.

In Ebersberg gab es das Benediktinerkloster. Dort wurde Bier gebraut, und es ist denkbar (aber auch hier gilt, dass die Gewissheit um Dunkeln liegt), dass die Ebersberger Mönche nach Grafing lieferten. Was urkundlich nachweisbar ist: Die adeligen Herrschaften von Grafing haben sich das Recht des Bierbrauens früh geholt.


Das wiederum zog einen relativ häufigen Wechsel nach sich. Anders verhielt es sich bei den bürgerlichen Grafinger Brauereien. Diese blieben oft über Generationen in Familienbesitz, bei den Grandauers, die wohl aus Grandau im Leitzachtal stammten und deren familiäres Selbstbewusstsein bereits 1631 in ein eigenes Wappenschild mündete, gar über zweieinhalb Jahrhunderte.

Deer Grabstein des ersten urkundlich nachgewiesenen Grafinger Braumeisters
Der Grabstein des ersten urkundlich nachgewiesenen Grafinger Braumeisters

Aus Aubing hat man den Grabstein des ersten herrschaftlichen Grafinger Brauers ausgestellt:

 

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Urkunde zur Verleihung des Braurechts an die Grafinger Herrscher

Die ausgestellten Urkunden dokumentieren den Aufstieg der bürgerlichen Brauerfamilie der Grandauers, von der Verleihung des Brauchrechts bis hin zu Grundbuchauszügen, die zeigen, wie die Familie Zug um Zug in Grafing Grund erwarben, der das Rückgrat des Bräus sicherte.

Aufstieg und Niedergang

Bierkrug mit dem Brauwappen des Wildbräu
Bierkrug mit dem Brauwappen des Wildbräu

Der Grandauer war nicht die einzige bürgerliche Brauerei, wie in jeder anderen Stadt auch etablierten sich mehrere neben dem herrschaftlichen Bräu, weiß Bernhard Schäfer zu berichten:

 

Historischer Stich - Festumzug mit Grafinger Hopfen
Historischer Stich – Festumzug mit Grafinger Hopfen

In Grafing gab es noch eine Besonderheit: Im Zuge der Aufklärung mühten sich die Brauereien, autark zu werden. Sie bezogen den Hopfen nicht mehr von außerhalb, sondern bauten selber an. In einer untypischen Gegend und mit Überschuss:


Im zweiten Weltkrieg gab es auch in Grafing Schäden. Die Bahnlinie München-Rosenheim war Ziel von Bombenangriffen. EIne dieser Bomben traf die Brauerei Erl, die sich noch gar nicht lange zuvor in Grafing Bahnhof gegründet hatte:

 

Nur zum Biergebrauch! Eine Flasche des Haustrunks vom Grandauer, den jeder Brauereiangestellte bekam.
Nur zum Biergebrauch! Eine Flasche des Haustrunks vom Grandauer, den jeder Brauereiangestellte bekam.

Eigentlich selbstverständlich, dass in einer Stadt wie Grafing die Brauer eine gewisse Macht und Größe darstellten, sagt Bernhard Schäfer:


Abgerundet wird die Sonderausstellung in Grafing mit einem Blick bis in die heutige Zeit und die näheren Zukunftsplanungen des Wildbräu Grafing. Auf mehreren Texttafeln ist die Geschichte von Bier und Brauereien in Grafing niedergeschrieben und sehr gut nachvollziehbar.

Ladewand eines Biertransporters vom Wildbräu.
Ladewand eines Biertransporters vom Wildbräu.

Die Sonderausstellung im Rieperdinger Haus in Grafing (Bahnhofstraße 10) ist am Donnerstag von 18 bis 20 Uhr geöffnet, Sonntag von 14 bis 16 Uhr. Den Rundgang schafft man ausgiebig in einer Stunde, der Eintritt ist frei, dafür kann man aber die Arbeit des Heimatvereins mit einer Spende unterstützen. Weitere Informationen auf der Website des Museums Grafing. „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!“ ist noch bis zum 11. September zu sehen. Es gibt an einzelnen Tagen auch ein Begleitprogramm.

Anreisetipp: Mit der S4 oder dem Filzenexpress – Haltestelle Grafing Stadt, keine 5 Minuten zu Fuß.

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