Durchgefahren: Franzensfeste – ein #KultTrip

Auf dem Weg nach Südtirol ist jeder schon mal durchgefahren oder hat gar das Schild gesehen: Franzensfeste, italienisch Fortezza. Direkt an der A 22 von Sterzing nach Brixen gelegen lädt die Gegend zum Zwischenstop auf dem Weg gen Italien ein. Besonders, wenn man sich vorher etwas schlau macht und den Besuch der Burg mit einer Besichtigung, besser noch Führung verbindet.

Vielleicht ist die Franzensfeste für den einen oder anderen auch eine Bereicherung eines #KultTrips, eine Blogparade, die Tanja Praske ins Leben gerufen hat.

Das Wipptal Richtung Brixen/Bozen von der Oberen Franzensfeste aus gesehen. Foto aus dem Herbst 2009.
Das Wipptal Richtung Brixen/Bozen von der Oberen Franzensfeste aus gesehen. Foto aus dem Herbst 2009.

Das erste Mal begegnete ich der Landschaft übrigens 1989, als ich zur Bundeswehr musste und „Wohl ist die Welt so groß und weit“ unser Gruppenlied in der Kompanie wurde. Eine musikalische Begegnung, die erst 20 Jahre später real werden sollte.

Die Franzensfeste nun ist an ziemlich der engsten Stelle des Wipptals gelegen. Die Autobahn, die Bahnstrecke und die Landstraße vom Brenner herab teilen sich den Platz im Tal. Es ist eine karge Gegend, geprägt vom Brixner Granit, ein Tal wie geschaffen zur Verteidigung … ja, von was denn? Südtirol? Italien? Tirol/Südtirol? Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation? Habsburger Reich? Schon das oben verlinkte Lied zeigt auf, dass der Südtiroler oft um seine Identität und Zugehörigkeit ringen musste. Andreas Hofer, schlicht der Freiheitsheld, hat in der Zeit der Koalitionskriege Anfang des 19. Jahrhunderts einen wichtigen Sieg davon getragen. 1833 schliesslich befahl Kaiser Ferdinand dort den Bau der Feste, die nach Franz, dem Kaiser benannt wurde.

Liegenschaften in der unteren Brug
Liegenschaften in der unteren Festung.

Im unteren Bereich der Festung befindet sich ein kleines Museum, eingerichtet in ehemaligen Versorgungs- und Unterkunftsräumen. Massimo Dario, Journalist und einer der Erforscher der Franzensfeste, erzählte uns damals, dass zum Betrieb der Burg in Friedenszeiten weniger als 100 Mann nötig waren. Für den Krieg konnte sie gleichwohl 1000 Mann beherbergen, die völlig autark waren. Sogar einen eigenen Bahnhof hat die Franzensfeste. Nur eines hat sie nie so richtig erlebt: Eine kriegerische Auseinandersetzung. Für vier Tage besetzten bayerische Truppen die Feste, 1918 war das. Und die SS soll die Festung in den 40er Jahren als Depot genutzt haben. Dario geht in seinem Buch und in Führungen auch gerne der Frage nach, wie das mit den Goldtransporten der italienischen Nationalbank im Zweiten Weltkrieg war.

Aber das war’s dann auch mehr oder weniger mit dem Krieg und der Franzensfeste.

Die österreichische Ausgabe von Monopoly (DKT = Das kaufmännische Talent), datiert um die Zeit des Beginns der Nazizeit.
Die österreichische Ausgabe von Monopoly (DKT = Das kaufmännische Talent), datiert um die Zeit des Beginns der Nazizeit. Ausstellungsstück in der Franzensfeste.

Die Eisenbahn nutzt den Platz zwischen den Burgen. Dafür musste auch nicht in die Struktur des Bauwerks eingegriffen werden. Denn: Die Anlagen sind unterirdisch verbunden.

Der Verbindungsgang, der unter der Autobahn hidurchführt.
Der Verbindungsgang, der unter der Autobahn hindurchführt.

Am Ende gibt es dann den Aufstieg durch ein Treppenhaus. Von unten her perspektivisch so gebaut, dass man den Eindruck gewinnt, man würde das obere Ende nie erreichen. 433 Stufen verzeichnet Wikipedia und Dario Massimo, der von 451 Stufen spricht, weiß eine nette Geschichte zu erzählen: So genau habe man (Stand 2009, da war die Burg erst vier Jahre öffentlich zugänglich) noch nicht herausbekommen, wieviel Stufen es denn seien. Verzählt hätten sie sich immer wieder beim anstrengenden Aufstieg. Aber: Er habe, weil so oft gegangen, die Stufen besser erklommen als Reinhold Messner. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Langsam und kontinuierlich gehen hilft, schützt aber nicht davor, gelegentlich eine Pause einlegen zu müssen. Dafür lohnt aber der Blick von der Oberburg hinab ins Wipptal und auf den Eisack.

Der Aufstieg zur oberen Burg. 433 Stufen sollen es sein. Eine sportliche Herausforderung.
Der Aufstieg zur oberen Burg. 433 Stufen sollen es sein. Eine sportliche Herausforderung.

Ich hatte im Herbst 2009 das Vergnügen, eine Reisegruppe dorthin zu chauffieren. Aus dieser Zeit stammen auch die schnell (und wenig professionell) mit einer Billigstkamera aufgenommenen Bilder. Und noch eins: Im nahegelegenen Ort Franzensfeste gibt es das Hotel Post. Dort kann man gut, preiswert und schmackhaft zu Mittag essen. Wenn man vielleicht die Gesellschaft der einen oder anderen Reisegruppe verträgt. Und das Kulturprogramm um die Franzensfeste lohnt alle Male, auch mehrere Tage hier zu verbringen.

Blick von der Franzensfeste auf den Eisack.
Blick von der oberen Franzensfeste auf die untere und den Eisack. Hier erkennt man auch das Stichgleis zum festungseigenen Bahnhof.
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4 thoughts on “Durchgefahren: Franzensfeste – ein #KultTrip

  1. Lieber Heinrich,

    merci beaucoup für deinen formidablen #KultTrip! Wir sind an der Franzensfeste so oft vorübergefahren und haben nie angehalten. Das werden wir mal ändern und du bist daran schuld, wie fein.

    Es freut mich sehr, dass du bei meiner Blogparade mitmachst und unser Café ist nicht vergessen! Melde mich im September bei dir, wenn es recht ist – wäre toll!

    Herzlich,
    Tanja

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    1. … und aus dem Hintergrund müsste Bruns bloggen, und Bruns bloggt und …
      Naja, ich will es nicht übertreiben. Irgendwie hing der Beitrag schon länger im Kopf fest – vor allem, weil ich viele Italienreisenden fragte, ob ihnen die Franzensfeste was sagt. Fast jeder fährt vorbei. Könnte man ändern, wenn man alte Mauern mag. ;)

      Auf den Kaffee freue ich mich schon jetzt und sage meinerseits Danke für die Blogparade.

      Gut gelaunt,
      Heinrich

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