Zwischen Bergbau und Campendonk – Das Museum Penzberg

Streng genommen wird man fragen müssen, was Zeche und Kunst in Oberbayern miteinander zu tun haben. Sehr viel: 1966 schloss die Zeche in Penzberg. Es war das Ende eines Arbeitszweiges, der der Region Wohlstand, Prosperität – und Kunst, jawohl, Kunst brachte. Letztere ein Schatz, den die Penzberger erst viel später, in unseren Tagen, so richtig heben konnten.

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Das Museum Penzberg. Im Vordergrund der Neubau, der gestalterisch die Bauweise der alten Bergarbeiterwohnung aufnimmt.

Das Museum Penzberg sind eigentlich zwei, das ehemalige Stadtmuseum und das Bergbaumuseum. Sie sind die Konjunktionen zwischen alt auf der einen Seite und neu auf der anderen: Das alte Bergarbeiterwohnhaus und der moderne Anbau, die alte Originaleinrichtung, die Gemälde von Campendonk und die moderne Gestaltung mit Licht und Energie. Architekt Thomas Grubert:

 

Astrid Pellengahr, Leiterin der Landesstelle für nichtstaatliche Museen und Gisela Geiger, Leiterin des Penzberger Museums
Astrid Pellengahr, Leiterin der Landesstelle für nichtstaatliche Museen und Gisela Geiger, Leiterin des Penzberger Museums

Die meisten sind versucht, von einem Glücksfall zu reden. Und wenn man auch gerne davon redet, so hat Penzberg sich dieses Etikett im Sinne eines Prädikates verdient. Gisela Geiger leitet die Museen Penzberg:


Das Museum hat sich dabei gewandelt. Den Begriff Heimatmuseum im herkömmlichen Sinn will man in Penzberg zumindest aufbrechen. Dazu bietet sich die Geschichte als Bergarbeiterstadt und die künstlerische Heimat von Heinrich Campendonk als einem der jüngeren „Blauen Reiter“ an. Gisela Geiger über diese Entwicklung:

 

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Heinrich Campendonk war der jüngste der „Blauen Reiter“. An diesem Gemälde, das Penzberg darstellt, sieht man sehr gut den Einfluss von Franz Marc.

Campendonk war ein wunderbarer Zeitzeuge der Bergarbeiterstadt Penzberg. Er kam mit dem Zug auf dem Bergwerksbahnhof an. Er malte viel, gehörte der Gruppe um Franz Marc an.


200 Werke von Heinrich Campendonk, den gesamten Nachlass also, haben sie in Penzberg bekommen. Dazu kommen derzeit ein paar Leihgaben.

„Wir müssen schauen, dass wir das Haus ansprechend halten“

Es gibt zwei Besuchertypen in Penzberg, erzählt Geiger. Die einen, die eingesessenen Einheimischen, wollen erinnert werden, die anderen, die Zugezogenen, müssen angesprochen werden.

Erinnern an die Getöteten der Penzberger Mornacht.
Erinnern an die Getöteten der Penzberger Mordnacht.


Die Ausstellung im alten Bergarbeiter-Haus widmet sich dem historischen Penzberg. Sehr ausführlich werden in einem Raum die Geschehnisse rund um die Penzberger Mordnacht illustriert. In den letzten Kriegstagen noch wurden 16 Menschen hingerichtet.

Blick in die Küche einer Bergarbeiterwohnung.
Blick in die Küche einer Bergarbeiterwohnung.

Originalgetreu, nicht zuletzt wegen des erhaltenen Gebäudes, können wir durch die Küche (Achtung, versteckter Lautsprecher gibt Anweisungen und Kommentare zum damaligen Leben!) und das Schlafzimmer gehen. Eine Hörstation gibt Alltagssituationen aus dem Leben wieder:

Innovative Technik, die unterstützt

Ein innovatives Beleuchtungskonzept, so Thomas Grubert, sorgt dafür, dass die Gemälde im rechten Licht erstrahlen. In weiten Teilen des Hauses gibt es auch keine Klimaanlage. Hier wird das zwölf Grad kalte Wasser aus der Penzberger Tiefe verwendet, um je nach Witterung langsam zu kühlen oder zu wärmen.


Neben der Bergarbeiter-Wohnung im alten Teil und der Heinrich-Campendonk-Sammlung gibt es im ersten Stock des Neubaus auch noch 50 Tafeln zu dem, was Penzberg und seine Geschichte ausmacht. Sei es das interreligiöse Dasein oder der Umstand, dass ein großer Pharmakonzern in Penzberg seinen Sitz hat. Im zweiten Stock wird es multimedial. Thomas Grubert:

„Weil irgendwann muass ma weggeh’n, ma kann hier ja ned studieren.“

Wenn man das Treppenhaus herabsteigt, sieht man ein Glasfenster, das Campendonk für eine Kirche gestaltete, in der es aber nie zu hängen kam. Und man sieht Zeichnungen eines jungen Penzbergers über heutige Kindheit und Jugend in der oberländischen Stadt. Das letzte Bild des Zyklus zeigt einen jungen Burschen, die Hosen zeitgemäß hochgekrempelt, der von Penzberg weggeht. „Weil irgendwann muass ma weggeh’n, man kan hier ja ned studieren.“

Das Foyer zum Museum Penzberg schließt nahtlos an das alte Bergarbeiterhaus an.
Das Foyer zum Museum Penzberg schließt nahtlos an das alte Bergarbeiterhaus an.

Die räumliche Trennung von Stadtmuseum und Bergwerksmuseum tut sehr gut. Nicht nur, weil das eine das Leben über Tage abbildet und das andere das Leben unter Tage, sondern auch, weil man auf dem Gang vom einen zum anderen Museum im Stadtbild Penzbergs eine weitere Kleinigkeit entdeckt: Noch heute reihen sich die Häuser entlang der Straße, gleiche Giebel, artig und in Reih’ und Glied. Was der Besucher nicht sieht, aber wohltuend spürt: Das innovatibe Belüftungs- und Heiz-/Kühlkonzept. Wer allergisch auf Klimaanlagen ist, weiß das zu schätzen.

Zur Website des Museums Penzberg mit Öffnungszeiten, Preisen, Ansprechpartnern, Erläuterungen zur Konzeption.

In dieser Reihe gab es auch einen Besuch im Bergwerksmuseum Penzberg und dem Museum der Stadt Geretsried.

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