Zwischen Winkel und Wahnmoching – Das Leben der #Reventlow

„Zum Glück hat sie geschrieben!“, mag mancher beim Verlassen des Kunstvereins Bad Aibling gedacht haben. Denn einen kurzweiligeren, bisweilen sittlich höchst aufschlussreichen Abend hätten die Gemälde der Franziska zu Reventlow nicht hergegeben. Ein Kenner sagte es so: Geschrieben hat sie wohl besser. Was sich auch daran ablesen lässt, dass die Liste der Gemälde ungleich kürzer ist als die der Publikationen. Und außerdem: Im Umfeld des Malers Wennerberg, dessen Werk die Aiblinger gebührend aufs Tapet heben, noch eine andere Malerin? Gott bewahr’.
Ein Leseabend.

Michael Stacheder liest Franziska von Reventlov im Kunstverein Bad Aibling
Michael Stacheder liest Franziska zu Reventlow im Kunstverein Bad Aibling

‚Sie hatte nichts zu tun, als sich auf ihre Ehe vorzubereiten‘ – das charakterisiert die
damalige Zeit wohl recht gut. Und mindestens genauso unzutreffend. Die wilden 20-er mit Charleston waren noch nicht angebrochen, der erste Weltkrieg nicht in Sicht und doch änderten sich die Zeiten. Und die Reventlow besuchte ein Lehrerinnen-Seminar.

Eine der Gemeinsamkeiten, die Brynolf Wennerberg und Franziska zu Reventlow gehabt haben: Sie hielten sich beide gerne am Chiemsee auf. Und zumindest das, was Reventlow an Aufzeichnungen hinterließ, lässt den Schluss zu, dass sie ein ungleich freieres, zügelloseres Leben führte. Eines, das vielleicht weniger in Winkel vermutet worden wäre, sondern eher in dem von ihr auch so apostrophierten ‚Wahnmoching‘, den meisten als Schwabing bekannt.

Es liest und kommentiert der Schauspieler und Regisseur Michael Stacheder:


(9:42 / 9,3 MB)

Franziska (oder Fanny) zu Reventlow starb 1918 im Tessin. Eine Rückkehr nach München blieb ihr verwehrt.

Im zweiten Teil des Abends las Stacheder aus Franziska zu Reventlows ‚Herr Dame‘ – Aufzeichnungen und Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil. ‚Wahnmoching‘ ist das heutige Schwabing, ältere Mitbürger werden sich erinnern, dass der Name in leicht spöttisch konnotierter Art noch bis in die 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts geläufig war.
Herr Dame hat ein Problem. Das seines Nachnamens. Denn, welche Frau möchte schon als zukünftige Ehefrau ‚Frau Dame‘ heißen, so Stacheder in seiner Einleitung. Zum Behufe der Ausbildung, des Studiums ist Herr Dame wohl nach München geschickt worden. In diese Stadt der Bohème, der Bälle, der Glückseligkeit. ‚Herr Dame‘ trägt (auto-) biografische Züge, in verschiedenen Personen finden sich Merkmale der Autorin wieder. Es liest wieder der Schauspieler und Regisseur Michael Stacheder:


(7:26 / 10,6 MB)

Wikipedia merkt über das Leben der Reventlow an:

Ihren Unterhalt verdiente sie zum Teil mit literarischen Übersetzungen für den Albert Langen Verlag und mit kleineren schriftstellerischen Arbeiten für Zeitschriften und Tageszeitungen. Außerdem hatte sie nach etwas Schauspielunterricht 1898 ein kurzes Engagement am Theater am Gärtnerplatz und spielte vorübergehend im Akademisch-Dramatischen Verein des jungen Otto Falckenberg. Im Übrigen schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs als Prostituierte, Sekretärin, Aushilfsköchin, Versicherungsagentin, Messehostesse, Glasmalerin usw. durch. Nicht wenige Einkünfte verdankte sie schließlich, wie in der Bohème üblich, der Schnorrerei und den Spenden ihrer männlichen Bekanntschaften.

Das Publikum hörte interessiert den zeitgenössischen Anmerkungen Stacheders zu
Das Publikum hörte interessiert den zeitgenössischen Anmerkungen Stacheders zu

Am 15. September folgte eine weitere Lesung mit Michael Stacheder. Sie steht unter dem Motto „Süße, lockende Irrthümer – Arthur Schnitzler, Stefan Zweig und das Wennerberg-Lächeln“. Weitere Infos auf der Webseite zum Wennerberg-Jubiläum.

Mehr über die Ausstellung ‚Eine fidele Fuhre‘ mit Bildern und O-Tönen.
Die Lesung war eine Kooperation mit der vhs Bad Aibling.

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