Landesausstellung in Nürnberg: Karl IV., ein Europäer

Sie ist ein großes Projekt im Zeichen Europas und sie ist einem der großen Europäer gewidmet: Die deutsch-tschechische Landesausstellung „Karl IV.“. Nachdem sie von Mai bis Oktober in Prag zu sehen war, wird sie jetzt in Nürnberg installiert. Vom 20. Oktober 2016 bis 5. März 2017 ist sie in den Räumen des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg zu sehen. Rund 200 Objekte gewähren einen umfassenden Blick in die Zeit des Kaisers, der wie kaum ein anderer Naturkatastrophen und eine Blüte der Wissenschaft und Kunst in seiner Regierungszeit vereinte.

Karl IV. empfängt throhnend den Besucher der Ausstellung
Karl IV. empfängt thronend den Besucher der Ausstellung

Während tschechische und deutsche Handwerker überall noch aufbauen, dürfen die ersten Journalisten in die Ausstellung und bekommen eine quasi exklusive Führung. Karl IV. sei ganz im Sinne Europas gestaltet, betonen Minister, das Haus der Bayerischen Geschichte und die Ausstellungsmacher. Denn obwohl die Erläuterungstexte zu den Objekten sehr umfangreich seien, habe man durchweg auf eine dreisprachige Ausschilderung (tschechisch/deutsch/englisch) gesetzt, so Dr. Wolfgang Jahn:

 

Das Zeitalter Karls IV war auch das der Katastrophen – ob Flut oder wie durch die Ratte symbolisiert, die Pest.
Das Zeitalter Karls IV. war auch das der Katastrophen – ob Flut oder, wie durch die Ratte symbolisiert, die Pest

Auch der bayerische Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle betonte den großen Europäer Karl IV., dessen einigende Wirkung auf das Europa von heute durchstrahle, wenngleich er eine Figur mit Licht und Schatten sei:


Den Historiker Spaenle freute es besonders, bei der Preview bereits einen Blick auf die Exponate und die Präsentation der Bayerisch-Tschechischen Lan­desausstellung zu werfen. Für ihn bieten die Räume des Germanischen Nationalmuse­ums Nürnberg ein ideales und würdevolles Umfeld. Dr. Daniel Hess sagt, dass Karl stilbildend für die heutige Zeit sei. Er ist Historiker und der Leiter des Museums in Nürnberg:

 

3D-Modell von Burg Karlstein
3D-Modell von Burg Karlstein

Karl IV und die Juden

Die Schau bietet neben Sakralgegenständen, Statuen, Reliefs auch Einblick in ein dunkles Kapitel der Geschichte des 14. Jahrhunderts: Die Judenpogrome Karls, die in Nürnberg noch an vielen Stellen nachzuvollziehen sind. In dieser länderübergreifenden Form geschieht das wohl zum ersten Mal. Wolfgang Jahn und Jiři Fajt:

 

„[Nach der Ermordung der Juden] … AUTZ DER JUDENSCHUEL SOL MACHEN EINE KYRCHE IN ST. MARIEN UNTZERER FRAWEN ERE UND DIE LEGEN AVF DEN GROSSEN PLATZ AN AIN SOLLICH STATT, DA ES DIE BURGER ALLERBEST DUNKT.“ So ist verbrieft, wie es zum Bau der Marienkirche am Hauptmarkt kam – anstelle der alten Synagoge. Jüdische Grabsteine wurden behauen uund als Stufen zur Empore eingefügt.
„[Nach der Ermordung der Juden] … AUTZ DER JUDENSCHUEL SOL MACHEN EINE KYRCHE IN ST. MARIEN UNTZERER FRAWEN ERE UND DIE LEGEN AVF DEN GROSSEN PLATZ AN AIN SOLLICH STATT, DA ES DIE BURGER ALLERBEST DUNKT.“ So ist verbrieft, wie es zum Bau der Marienkirche am Hauptmarkt kam – anstelle der alten Synagoge. Jüdische Grabsteine wurden behauen und als Stufen zur Empore der Lorenzkirche eingefügt
Wolfgang Jahn erläutert die Judenpogrome an einem jüdischen Grabstein, der in der Lorenzkirche zu einer Treppenstufe beschnitten und umfunktioniert wurde:

Nürnbergs Aufstieg

Das 14. Jahrhundert war eine Umbruchzeit: Architektur, Technik, Kunst und Kultur erlebten einen Aufschwung, be­sonders in den mit Karl verbundenen Reichs- und Bischofsstädten. Prag erhielt die erste Universität Mitteleuropas und entwickelte sich zur Metropole. Die Prager Hofkunst wirkte stilbildend. Auch die freie Reichsstadt Nürnberg, sein zweithäu­figster Aufenthaltsort nach Prag, hat Karl erheblich durch Stiftungen gefördert.

Viele Objekte, vor allem aus Holz und Stein, geben beredtes Zeugnis vo der Zet Karls IV.
Viele Objekte, vor allem aus Holz und Stein, geben beredtes Zeugnis von der Zeit Karls IV.

Daneben vergrößerte Karl IV. sein Reich: Mähren, Schlesien, die Lausitzen, Neuböhmen (das ist ungefähr das Gebiet zwischen Nürnberg und der Oberpfalz bis Tschechien) und Brandenburg kamen zum Heiligen Römischen Reich dazu. Allen diesen Erwerben sind Dokumentationen gewidmet. Viele Objekte sind hier Leihgaben, die wohl nie mehr so konzentriert an einem Ort zu sehen sein dürften. Jiři Fajt:

 

Hinterglasmalereien aus der Jakobskirche in Stendal. Diese sind stark böhmisch geprägt.
Hinterglasmalereien aus der Jakobskirche in Stendal. Diese sind stark böhmisch geprägt.

Und wirklich überall in der Ausstellung wird noch gearbeitet.

Im Aufbau: Das aus fünf Kalksteinblöcken zusammengesetzte Tympanon erzählt die Leidensgeschichte Christi
Im Aufbau: Das aus fünf Kalksteinblöcken zusammengesetzte Tympanon erzählt die Leidensgeschichte Christi

Die Goldene Bulle

Eine der großen Errungenschaften von Kaiser Karl IV. war die Schaffung einer Art Grundgesetz für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. 1356 wurden die ersten Kapitel der ‚Goldenen Bulle‘ verkündet. Nach Aussage der Kuratoren war das ‚keiserlich rechtbuch‘ eine Art Spiegel der Rechtspraxis, also die Festschreibung von Gewohnheitsrecht. Unter anderem erhielten Kurfürsten das Recht der Münzprägung, der Landfrieden und das Fehderecht wurden geordnet.

Auch Urkunden gehören zur Ausstellung in Nürnberg.
Auch Urkunden gehören zur Ausstellung in Nürnberg.

Gestaltet hat die Ausstellung die Gruppe Gut aus Bozen. Uli Brucker darüber, wie man mit 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche umgeht:


Der Ausstellungsbauer Brucker sieht auch den großen europäischen Bezug in der Ausstellung Karl IV. in Nürnberg:


Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung 2016/17 „Karl IV.“ ist noch bis zum 5. März von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr, am Mittwoch bis 21 Uhr geöffnet.  An Montagen ist die Ausstellung geschlossen.
Am Faschingsdienstag, den 28.02.2017 ist die Ausstellung von 9 bis 18 Uhr geöffnet!
Alle Infos zu Eintrittspreisen, Führungen und Begleitprogramm auf der Website des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Einzug des Kaisers nach Nürnberg - in der Miniatur kann man die Ausmaße des Reisetrosses von gut 1000 Personen nachempfinden.
Einzug des Kaisers nach Nürnberg – in der Miniatur kann man die Ausmaße des Reisetrosses von gut 1000 Personen nachempfinden.
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