Populär war er in ganz Deutschland – in München wurde er geliebt

90 Jahre würde er am 15. November: Der Monaco Franze, genauer: Sein Darsteller Helmut Fischer. 1983 begann seine große Karriere Der Inbegriff des ewigen Stenz musste sich aber jahrelang mit kleinen Rollen abspeisen lassen. Keine leichte Zeit, auch für seine Ehefrau Utta Martin. Sie war es, die das Paar mit fleißiger Arbeit durchbrachte. Aber so ein Hallodri, als den ihn viele ansehen, war der Fischer Helmut nicht. Im Presseclub München erinnerte einer, der es wissen muss, an seinen langjährigen Weggefährten: Münchens Alt-OB Christian Ude im Gespräch mit Gabriele Weishäupl.

Das Denkmal für Helmut Fischer an der Münchner Freiheit. (Bild: Von Kollektives Schreiben aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0)
Das Denkmal für Helmut Fischer an der Münchner Freiheit. (Bild: Von Kollektives Schreiben aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Geschichten kursieren viele über den Stenz – und die Frage, wieviel Monaco Franze denn im Helmut Fischer oder umgekehrt steckte. Christian Ude hatte im Wahlkampf die Wahlzeitung für Johannes Rau, der Kanzler werden wollte, als Chefredakteur verantwortet. Im Zuge dieser Kampagne hat er auch seinen SPD-Parteigenossen Fischer interviewt. Und eine Frage gestellt, die Frage nach der ehelichen Treue, die ihn Jahre später rot werden liess, als sich Fischer bei ihm über Journalisten, die die Frage nach der ehelichen Treue stellten, ausließ:


Und Ude, meisterlicher Erzähler und Kolporteur, machte gleich weiter. Viele wollten im Monaco Franze den Womanizer, den Eroberer sehen, der jede ins Bett kriegt. Wer dieser Meinung sei, so Ude, der habe die Serie nie mit offenen Augen gesehen:

Goetheplatz

Dennoch: Fischer und Helmut Dietl, der Mann, der ihn groß rausbrachte, machten sich so ihre Gedanken über Frauen. Wer erinnert sich nicht an die Szene, wo – typisch münchnerisch, wie Ude meint – ein Mädchen nicht nach Habitus oder Kleidung, sondern nach Dialekt verortet wird, das konnte nur Dietl und Fischer einfallen:

Das Zebras in der Zuban-Schau

Helmut Fischer war vor seiner auf immer mit ihm verbundenen Rolle als Monaco Franze bekannt als der Kriminalobermeister Ludwig Lenz. Er spielte an der Seite von Gustl Bayrhammer. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Fischer war auf dem Oktoberfest das Hinterteil eines Zebras. Als solches lernte ihn Christian Ude kennen – auch wenn er davon nicht wusste:

Ein interessantes Leben besteht aus Niederlagen

Später lernte Christian Ude seinen Parteigenossen Helmut Fischer so richtig kennen. Und fällt heute in der Rückschau ein großartiges Urteil. Über einen Sozialdemokraten, einen Unbeugsamen, einen, der die Armen, das kleine Volk kannte. Gabriele Weishäupl und Christian Ude über die Kindheit des Helmut Fischer und seine Reife zum politischen Menschen:

„Er hat alles gehasst, was mit Nazis oder der Verharmlosung des dritten Reiches zu tun hatte“

Fischer war laut Zeugnis von Ude das, was man im besten Sinne einen Sozialdemokraten nennt: Preussisch eine halbe Stunde vor dem Termin am Treffpunkt, einer, der im innersten Herzen gegen Ungerechtigkeiten rebellierte. Christian Ude über den politischen Helmut Fischer:

„Übern Tod hat er nicht gesprochen“

Fischer hat einige undankbare Jobs in seinem Leben gehabt. Eher ein Highlight dürfte der als Hilfskritiker bei der Abendzeitung gewesen sein. Er unterstützte die legendäre Ponkie in ihren Kritiken, durfte aber meist nur die minderwertigeren Filme beurteilen. Das, was im Hauptbahnhof im ‚aki‘ lief. Jodeln in der Lederhose oder Busenfilme. Über was er, so Christian Ude am Abend im Presseclub München, nie gesprochen hat, war der Tod. Selbst nicht, als er schon von seiner Krebserkrankung wusste. Helmut Fischer ging gerne auf den Bogenhauser Friedhof, dort ist er auch beerdigt. Er suchte eine Art Nähe zu Erich Kästner, den er schätzte. Christian Ude erzählte auch, wie es zum Denkmal für Helmut Fischer an der Münchner Freiheit kam. Ein Schelmenstück, so der Alt-Oberbürgermeister:


Den Abend im Presseclub garnierte musikalisch Claus W. Redl, der Helmut Fischer einen Song auf den Leib schrieb – Spatzl, schau, wia i schau:

 

Alt-OB Christian Ude erinnert zusammen mit Gabriele Weißhäupl an Helmut Fischer. Links Claus W. Redl, der unter anderem „Spatzl, schau, wia i schau!“ schrieb.
Alt-OB Christian Ude erinnert zusammen mit Gabriele Weishäupl an Helmut Fischer. Links Claus W. Redl, der unter anderem „Spatzl, schau, wia i schau!“ schrieb.

Helmut Fischer starb am 14. Juni 1997 nach einer Krebserkrankung. Es war der Tag des Stadtgründungsfestes von München und Christian Ude wusste bei seiner Rede davon. Am Abend im Presseclub zitierte er auch die Überschrift, die Ponkie in einem Interview mit Fischer zum 70. Geburtstag herausarbeitete: „Das Leben macht sich ja mehr und mehr aus dem Staub.“ Fischer sprach diese Worte im Wissen um seinen Tod. Und der Satz von Christian Ude charakterisiert Fischer und sein Verhältnis zu München und das der Münchner zu ihm noch immer am besten: „Populär war er in ganz Deutschland – in München wurde er geliebt.“

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