Machen Computer dumm?

Zur Beziehung zwischen digitalen Medien und Bildung

Immerhin – das gleich als Fazit – es scheint sich so langsam herumzusprechen, dass der Computer per se nicht dumm macht. Allen Spitzerschen Thesen zum Trotz. Ein durchaus ausgewogen und fachkundig besetztes Podium diskutierte dazu in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eingeladen hatte das Munich Center for Internet Research – MCIR. Es diskutierten Professorin Heidi Schelhowe, Professor Frank Fischer, Oberstudiendirektor Peter Schwertschlager und Gerhard Seiler. Ursula Münch, Professorin an der Universität der Bundeswehr und Direktorin der Akademie für Politische Bildung moderierte den Abend.

Papier oder digital? In die Schule gehört wohl beides.
Papier oder digital? In die Schule gehört wohl beides.

In ihrer Begrüßung vertrat Ursula Münch die These, dass die Lehr- und Lernkompetenz auch auf Peer-to-Peer überginge. Sprich: Schüler lernen von Mitschülern und nicht mehr alleine vom Lehrer, wenigstens, was das Digitale in der Bildung angehe. Heidi Schelhowe betonte in ihrem Eingangsstatement, dass Informatik und Pädagogik unbedingt zusammengehören. Natürlich durfte in ihrem Vortrag der Aufmacher mit Manfred Spitzer und Frank Schirrmacher nicht fehlen, zwei, die (eher) gegen die Digitalisierung sprechen. Um es klar zu sagen: Ein generelles ‚Pro Digitalisierung‘ um jeden Preis gab es nicht in der Veranstaltung.

Und wer sich den Mitschnitt der Veranstaltung auf ARD alpha anschauen wird, kann damit leben. Die Kernaussage ist, Computer – oder besser: Digitale Medien zu nutzen. Wenn man sie richtig nutzt. Kinder, die zusammen mit Eltern E-Books anschauen, können sich an weniger Inhalte erinnern als Kinder, die das haptische Erlebnis eines Buches hatten. In diesem Sinne sprach sich das Podium einhellig dafür aus, dass man verstehen müsse, wie sich Digitale Medien und Bildung zusammen bringen lassen.
Peter Schwertschlager, der das Gymnasium bei St. Anna (Augsburg) leitet, ist Chef einer Referenzschule für digitale Medien. Ein prägnanter Satz in der Diskussionsrunde von ihm: Er sei immer wieder erfreut, wenn er Besuchern ein Klassenzimmer zeige und sage, dass das das Klassenzimmer der Zukunft sei. Die Besucher sähen nämlich – zuallerst eine grüne Tafel. Dabei hat das Gymnasium dank Förderverein mehr als 100.000 Euro in die einheitliche Digitalisierung seiner Schule gesteckt. Es gibt unter anderem Wägen mit Datenkameras, die mittels Beamer z.B. die Hausaufgaben der Schüler an die Wand werfen. Sie hätten, so Schwertschlager, ihr eigenes Ding gebaut, als sie merkten, dass die Zusammenarbeit zwischen „Apfel und Viereck“ (!) nicht so klappte, wie erforderlich.
Und einhellig waren die Diskutanten auch der Meinung, dass es an der Uni für Lehramtsstudenten ein Pflichtfach Medienbildung geben müsse. Frank Fischer: „Die Lehrerbildung muss praxisorientierter werden.“ Und damit digitaler. (Eine Forderung, die ich schon 2013 bei einem CSUnet-Treffen an Politiker herantrug.)
Eine Übersicht über die Keynote, auch mit dem Link zur Videoaufzeichnung, bietet das MCIR auf seiner Website. Allen (selbst-) ernannten Bildungsexperten sei der Ausstrahlungstermin dringend anempfohlen – denn Spitzer & Co. nur zu verdammen, bringt Digitale Bildung in Deutschland auch nicht voran.

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