Was wir vorhersagen können, will keiner wissen

Was ist morgen? Lässt sich die Zukunft berechnen, wie der Zukunftsforscher Matthias Horx meint? Oder ist Zukunft unterschiedlich gestaltbar und soll die Welt dynamisch verstanden werden? Hinter dieser Auffassung steht Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Auf Einladung von Bernhard Winter unterhielten sich der Zukunftsforscher und Bischof bei den „Markt Schwabener Sonntagsbegegnungen”.

Bernhard Winter, Matthias Horx und Landesbischof Bedford-Strohm in Markt Schwaben
Bernhard Winter, Matthias Horx und Landesbischof Bedford-Strohm in Markt Schwaben

Unterschiedlicher könnten die Positionen nicht sein, der atheistische Spiritualist und der evangelische Bischof, vordem Professor für systematische Theologie, debattieren darüber, ob Zukunft berechenbar ist, ob es Zukunftswissen gibt oder, um es mit Winter zu sagen, ob die alte Bäuerin am Ende besser weiß, was ist.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Wie geht man als Christenmensch damit um, wenn man gleichzeitig die Welt wach beobachtet? Die Antwort auf die selbstgestellte Frage gab der Bischof aus der Bibel: Bewahren und bebauen. Das ist nicht nur eine stimmige Antwort, sondern auch gelebte Überzeugung. Bedford-Strohm macht keinen Hehl daraus, dass er die Befürworter des sanften Donauausbaus unterstützte und erst im Januar (2013) mit ihnen Gottesdienst an der Donau bei Niederalteich feierte. „Es ist nicht egal, in welchem Horizont wir diese Aufgabe der Zukunftsgestaltung sehen”, betonte der Landesbischof in Markt Schwaben. Die Geschichten, die Jesus in der Bibel erzähle, seien prägend für sein Zukunftsbild. Bedford-Strohm sieht die Christen in einem „Adventus”, in der aktiven Erwartung der Zukunft. Von daher müssen Christen die Welt gestalten. Der Theologe hat gerade in Südafrika (Edit: 2012) dazu konferiert. Für ihn ist klar, dass wir 2030 eine zweite Welt brauchen, wenn die Diskrepanz zwischen den Lebenswelten so weitergeht:


Auch wenn das Gespräch auf die Frage nach der Zukunft ausgerichtet war, bewegten sich Bedford-Strohm und Horx recht schnell in der Gegenwart. Aus dieser gegenwärtigen Erfahrung resultierte des Bischofs Frage an Matthias Horx:

Matthias Horx, „Zukunftsforscher“.
Matthias Horx, „Zukunftsforscher“.

Der Zukunftsforscher nahm den Ball auf, betonte, dass er bei vielen der Punkte des Landesbischofs mitgehen könne. Allerdings, so Horx, vermisse er das in weiten Teilen der Gesellschaft. Die Religion verleihe dem Bischof einen Anker und die Moderation der Angst sei das Grundthema der Religion. Horx, der Atheist, sieht, wie die Gesellschaft in Angststarre verfällt. Befördert werde das auch durch die Medien, die gerne ein Bild dessen zeichnen, was schiefgehen wird oder schiefgehen könnte. Geprägt wurde er selber durch die Technikgläubigkeit, die er in der Kindheit erlebte:


Horx begreift sich als Systemwissenschaftler, dem seine Zukunftsprognose durch Wahrscheinlichkeitsrechnung und andere mathematische Anwendungen erleichtert wird. Nach 25 Jahren in diesem Geschäft habe er eine Ahnung davon, was die Welt verändere und wie mit der „Botschaft der Negativität” und Krisen umzugehen sei:


Matthias Horx brach die globalen Krisen herunter auf den persönlichen Bereich. Er erzählte von einem Forscherpaar in den USA, das mit einer Sicherheit von 90 Prozent hervorsagen könne, wie eine Ehe verlaufe.

Diskussion mit dem Publikum
Diskussion mit dem Publikum

Genau das sei aber die Crux: Die Dinge, die man vorhersagen könne, wie Finanzkrisen oder Entwicklungen, interessierten kaum einen Menschen. Horx sah in diesem Punkt durchaus eine Ähnlichkeit zum Landesbischof. Heinrich Bedford-Strohm pflichtete Horx in dem Punkt soweit zu, dass in einem gleichbleibenden System die Prognose über bestimmte Ereignisse möglich sei. Am Beispiel des Ehepaares orientiert, gab der Bischof zu bedenken, dass über den Punkt des Wahrnehmens der Reaktion des anderen hinaus die Beziehungsarbeit beginne, die letztlich für die Zukunft einer Ehe entscheidend sei. Auf die Welt, die Religion und den Christenmenschen bezogen bedeutet das laut Landesbischof, dass er sich für eine bessere Welt einsetzen müsse:


Horx entgegnete, dass die meisten seiner Kollegen eine eher zynisch-apokalyptische Welthaltung habe, die darin resultiere, dass man beständig vor dem Untergang der Welt warne. Trete dieser nicht ein, so Horx, liege das nur daran, dass diese Kollegen so intensiv gewarnt hätten. Matthias Horx sieht sich dennoch auch mit seiner Zukunftsforschung ganz nahe an den Thesen des Bischofs. Abgesehen von kognitiven und anderen Methoden, die er bei seiner Arbeit einsetze, sei eines ganz entscheidend: Vertrauen.


Heinrich Bedford-Strohm pflichtete Horx bei, Dramatisierung und moralisches Pathos seien beide schlechte Ratgeber, um die Probleme der Zukunft zu lösen. Letztlich seien diese nur in der Gegenwart zu lösen. Zukunftsforschung, so der Bischof, müsse klar machen, was die Menschheit für Chancen habe und solle den Aufbruch wecken:

landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Das Fazit dieser Schwabener Sonntagsbegegnung: Die Probleme der Zukunft müssen in der Gegenwart gelöst werden. Hier waren sich der Zukunftsforscher Matthias Horx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm einig. Pessimismus hilft auch als Zweckmittel nicht weiter, Optimismus, Nachdenken und Gottvertrauen sind die besseren Voraussetzungen, dass unsere Welt in 20 Jahren für alle Menschen lebenswert ist. Dazu tragen sicher auch die Mahnungen eines Zukunftsforschers bei.

Hinweis
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im März 2013 auf den Seiten der Evangelischen Landeskirche Bayern. Mittlerweile ist er dort depubliziert worden. Die Zeiten haben sich nicht geändert, mehr als je zuvor mögen Menschen beunruhigt über ihre Zukunft sein.

Heinrich graut’s verabschiedet sich damit in die Feiertagspause zwischen den Jahren, sofern hervorsehbar.

Ihnen alle Frohe und Gesegnete Weihnachten und einen guten Jahreswechsel!

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