Zum neuen Jahr

Über dem Münchener Marienplatz steht sie und wacht nicht nur über die Stadt, sondern auch über Bayern, dessen eine Schutzpatronin sie ist. Zu ihren Füßen beteten Kardinäle und Päpste: Die Patrona Bavariae. (Aufnahme aus den Stammräumen des Presseclubs München)
Über dem Münchener Marienplatz steht sie und wacht nicht nur über die Stadt, sondern auch über Bayern, dessen eine Schutzpatronin sie ist. Zu ihren Füßen beteten Kardinäle und Päpste: Die Patrona Bavariae. (Aufnahme aus den Stammräumen des Presseclubs München)

Zu Beginn eines Jahres auf die Endlichkeit hinzuweisen, mag seltsam erscheinen.
Es ist unpopulär, ja – und es ist gut, dass wir heute nicht wissen, was am 31. Dezember 2017 alles passiert sein wird. Was mir zum Ende von 2016 auffiel: Es wurde viel getrauert. Und ich habe etwas gallig kommentiert:

Nein. es war nicht die Schuld von 2016, auch wenn viele das Jahr verwünschen. Messen wir das Glück, den Reichtum, den Verlust eines Jahres wirklich an den Toten? Ist ein Jahr nicht ein mehr oder minder willkürlich geschaffenes Intervall? Klar hilft diese Einteilung für den besseren Überblick. Aber: Kann ein Jahr Schuld haben?
Dorin Popa hat in seinem Blog einen großen, wunderbaren Kontext hergestellt.
Und bei Andrea habe ich noch eine persönliche Bewertung von 2016 gefunden, die trifft, was ich meine: Er fehlt überall. Ist Trauer nicht auch immer etwas Persönliches? Gleichwohl kommen die Einschläge näher, je älter wir werden. Aber es gibt eine tröstende Weisheit: Im Buch Kohelet (Prediger)* findet sich eine Interpretation unserer Zeit, unseres Lebens. Ein Trost:

Es gibt für alles eine Zeit

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.

Selbst, wenn wir das mal nicht religiös, sondern einfach nur nüchtern philosophisch betrachten, dann stellen wir fest: Es ist nicht das Jahr an sich, das uns die Mitmenschen raubt. Natürlich werden wir Ereignisse auch immer an Jahreszahlen festmachen. Das dient unserer zeitlichen Einordnung und ist auch völlig normal, denke ich.

Ein paar der Anklänge aus dem oben zitierten Kohelet-Text findet man übrigens auch bei den Wise Guys. Und daneben durchaus den einen oder anderen Gedanken, der 2017 heute schon lebenswert(er) macht.

Ich wünsche uns allen ein gutes Jahr 2017.

*Noch eine Bemerkung: Diese Bibelstelle war die Lieblingsstelle von Johannes Rau.

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