Zwei Jahre nach Charlie Hebdo: Die Grenzen von Satire

Eigentlich war die Veranstaltung für den 31. Juli geplant. Doch nach dem Attentat im Olympia-Einkaufszentrum fand im Landtag an diesem Tag der offizielle Gedenkakt statt. So wurde die Filmvorführung von „Je suis Charlie“ heute nachgeholt – und, wie der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer treffend feststellte, konnte kaum ein besserer Termin gefunden werden. Der Jahrestag des Anschlags auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo.

Drei Gedanken aus der Veranstaltung:

Martin Neumeyer (noch) Integrationsbeauftragter der Staatsregierung lud zu Film und Diskussion ein.
Martin Neumeyer, (noch) Integrationsbeauftragter der Staatsregierung, lud zu Film und Diskussion ein.


Martin Neumeyer (Integrationsbeauftragter und Landrat)
: „Es ist damit eine Steigerung des Termins, weil es einfach erst vor zwei Jahren war und immer noch bei uns im Gedächtnis ist. Weil manche Termine, manche Daten einfach ewig im Kopf bleiben, die einfach das Leben verändern, des private Leben oder auch das gesellschaftliche Leben. Und deshalb ist es ganz wichtig, dass wir uns heute treffen. Und wenn wir vorher „Freiheit ist das Einzige was zählt“ (gesungen haben, Erg. d. Red.), dann ist es das Einzige, was zählt. Und deshalb ist es schon wichtig und notwendig, dass wir über Werte diskutieren. Über Werte, weil Werte sind wertvoll und wir müssen den Mut haben, über Werte zu diskutieren. Ohne Scheuklappen, ohne Angst, ohne Feigheit, ohne Einknicken, weil es das Einzige ist, was zählt. Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Karikaturenfreiheit.
Idomeneo, die Mozart-Oper: Abgesetzt, weil man Angst hat, die künstlerische Freiheit nicht mehr ausüben zu können. Wir kennen alle noch den Spruch oder diese Aussage „Je suis Charlie“, zwei Jahre alt. „Je suis Nice“, „Je suis Berlin“, „Je suis Ansbach“, „Je suis Würzburg“. Es ist schon a Herausforderung für die Gesellschaft, für die Debatte. Man sagt des einfach so locker hin, aber es ist a Situation entstanden, die einfach anders wie noch vor wenigen Jahren und vor wenigen Jahrzehnten.“

Daniel Leconte mit Emmanuel, die beiden Regisseure von Je suis Charlie
Daniel Leconte mit Emmanuel, die beiden Regisseure von Je suis Charlie


Daniel Leconte (Regisseur)
: „Manchmal kritisieren wir die Politiker, aber in diesem Fall (Charlie Hebdo zu unterstützen, Anm. d. Red.) hatten sie Recht, und sie hatten schon die Meinung bestätigt. Auch die Intellektuellen haben diese Meinung sehr stark unterstützt. Man hat das Recht, diese Diskussion als konfus zu bewerten. Man hat das Recht, Charlie zu sein. Es ist sehr, sehr wichtig, Du kannst anderer Meinung sein, aber Du hast nicht das Recht, Charlie Hebdo die Existenz abzusprechen. Das ist die rote Linie.“

Daniel Leconte. Vural Ünlü (Verband der türkischen Gemeinden in Deutschland), Thorsten Gaitzsch (Titanic) und Gastgeber Martin Neumeyer
Daniel Leconte, Vural Ünlü (Verband der türkischen Gemeinden in Deutschland), Thorsten Gaitzsch (Titanic) und Gastgeber Martin Neumeyer


Thorsten Gaitzsch (Titanic)
: „Was bisher vergessen wurde, ist, dass die Grenze der Satire auch oft eine finanzielle ist. Also wir vom Magazin Titanic setzen uns keine Limits, was Themen oder irgendwelche diffusen Geschmacksmeinungen angeht. Aber es kann mitunter recht teuer werden, wenn man für sein Recht auf Satire streitet. Wir sind ja das meist verklagte Magazin Deutschlands und mehr als einmal haben wir uns dann gedacht, okay, man könnte jetzt, nachdem man zu Schmerzensgeld oder Unterlassung verklagt wurde, noch eine Instanz weitergehen. Aber das kann dann richtig teuer werden. Insgesamt ist die Rechtsprechung zwar schon recht satirefreundlich und wir werden auch weiterhin versuchen, die Grenzen auszuloten. Aber manchmal muss man doch eben klein beigeben, weil die Aussicht in der Kostenbilanz dann vielleicht doch nachteilig wäre.“

Bei der Matinée wurde der Film „Je suis Charlie“ der französischen Regisseure Daniel und Emmanuel Leconte gezeigt. Das Gespann aus Vater und Sohn führte zahlreiche Interviews mit den Redakteuren des Magazins Charlie Hebdo und wirft so ein neues Licht auf das Attentat vom 7. Januar 2015. Die Zuschauer gewinnen nicht nur einen Eindruck davon, welche Spuren der Terrorakt bei den Überlebenden hinterließ, sondern erfahren gleichzeitig den Umgang der französischen Bevölkerung mit einem der heftigsten Angriffe auf ihre freie Gesellschaft. Der Film ist im deutschen Verleih bei temperclayfilm.

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