selfciety – Die Auswirkungen des Digitalen in die Kunst

Wie verändert das Digitale unsere Selbstdarstellung und Selbstwahrnehmung? Dieser Frage geht eine Ausstellung in der whiteBOX im Werksviertel nach. Eindrücke von der Eröffnung.

Snapchat-Porträts und -Aufnahmen, verfremdet
Snapchat-Porträts und -Aufnahmen, verfremdet

Die Medienkunst-Ausstellung „selfciety” zeigt Arbeiten, die sich mit dem Phänomen des sogenannten „Selfie“ auseinander setzen. Die früheste Verwendung des Wortes Selfie im Internet kann auf das Jahr 2002 in einem australischen Internetforum datiert werden. Seitdem hat es vor allem durch die “Immerdabei-Kamera” in Smartphones weite Verbreitung gefunden und ist heutzutage vor allem aus Sozialen Netzwerken nicht mehr wegzudenken. Es gibt inzwischen Unterkategorien dieser Gattung wie z.B. das „Belfie“ – ein Bild vom eigenen Gesäß –, das „Nudie“ – die Darstellung ohne Kleidung – oder das „Shelfie“ – die Darstellung im Wohnbereich mit einem Regal oder Büchern im Hintergrund. Viele verspüren diese Lust an der Selbstinszenierung. Was einst den Künstlerinnen und Künstlern vorbehalten war – sich eine Gemeinde von Bewunderern zu schaffen und sich im Bildnis ihrer selbst zu versichern – hat sich demokratisiert.

Martina Taubenberger, geschäftsführerin der whiteBOX und Benjamin Jantzen, Kurator von „selfciety“
Martina Taubenberger, Geschäftsführerin der whiteBOX und Benjamin Jantzen, Kurator von „selfciety“

„selfciety“, also eine Gesellschaft von Selfieporträtisten, wurde von dem Mannheimer Medienkünstler und Festivalmacher Benjamin Jantzen kuratiert; und auch diese Ausstellung hat den demokratischen Prozess einer offenen Ausschreibung ins Vorfeld des kuratorischen Arbeitens gestellt. Kurator Benjamin Jantzen betonte die Absicht, dass der Besucher selber herausfinden müsse, wie und ob sich die Gesellschaft durch die seiner Meinung nach verstärkt auftretende Selbstdarstellung verändere. Die Besonderheit der Ausstellung fasst Jantzen zusammen:


Geschäftsführerin Martina Taubenberger sieht geradezu eine Selbstverpflichtung der whiteBOX, sich mit digitaler Kunst auseinanderzusetzen. Das Werksviertel war in der Zeit der Zwischennutzung Heimat der Popkultur und wird es in Teilen auch bleiben, in Symbiose mit einem Konzertsaal, urbanem Leben und Wohnen. Die whiteBOX sucht den Kontakt zu ihrem Publikum nicht zuletzt über die Sozialen Medien und inszenieren sich auch dort. Soziale Netzwerke sind die Erweiterung des öffentlichen Raums, ein eigenes Spielfeld und das Digitale gilt als Raum der schier unbegrenzten Möglichkeiten. Martina Taubenberger:

 

be more posthuman - reduzierte, ins pixelige gehende Videokunst des Dänen Esben Holk
be more posthuman – reduzierte, ins pixelige gehende Videokunst des Dänen Esben Holk

Eröffnet wurde die Ausstellung mit der Performance „Distorted Vanity“ von mayer+empl, Yves Peitzner, Rick Rummler und Dali Touiti. Zu auf Obertonreihen aufgebauter Musik bewegten sich Tänzer und wurden von Lichtstrichen nachgezeichnet und aufgespürt. Ein kleiner musikalischer Eindruck:


Die Ausstellung geht bis zum 26. Februar 2017 und zeigt Arbeiten von: Aurélie Bayad – Regarde Moi, Manja Ebert – sleepingsquad, HOUSE OF KILLING feat. Esben Holk – be more posthuman, Ruth Hutter – Grid Girls, Gretta Louw – The Face-Swap Archive, Stephanie Maier – Tweet up your Life, mayer empl / Yves Peitzner – Distorted Vanity, Martina Menegon – Virtual Narcissism

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei
whiteBOX im Werksviertel, im Werk 3, 2. OG,
Atelierstraße 18, 81671 München
Führungen
Samstag und Sonntag, 14:00 Uhr
Jeden Donnerstag After-Work-Führung um 18:00 Uhr
Sonderführungen durch die Ausstellung jederzeit auf Anfrage möglich

Katalog: 12 Euro
Box mit Kunstpostkarten aus der Ausstellung: 12 Euro

Distorted Vanity. Lichtkunst und Obertonmusik, auch mit Blechen und Eisenstäben erzeugt.
Distorted Vanity. Lichtkunst und Obertonmusik, auch mit Blechen und Eisenstäben erzeugt.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s