„Heirat’ mich ein bisschen!“ – im Deutschen Theater

Einen höchst vergnüglichen, aber durchaus melancholischen Abend erlebt man mit der Masterclass der Theaterakademie August Everding im Silbersaal des Deutschen Theaters: Zwei Menschen, die uns durch ihre Lieder an ihren Phantasien und Wünschen und an ihrem unsterblichen Traum von einem anderen, einem reicheren und bewegteren Leben teilhaben lassen.

Miriam Neumaier und Timothy Roller bei „Pour le sport“, einer herzzerreißend wie komischen Nummer aus der Feder von Stephen Sondheim. (Foto: Jean-Marc Turmes)

„Heirate mich – aber nur ein bisschen!“, könnte das Motto vieler heutiger Großstadtmenschen lauten. Zwei von diesen nimmt dieses Musical unter die Lupe: Im Stück geht es um die menschliche Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, nach Vertrauen und Liebe – aber auch um Abgrenzung, Misstrauen und das Streben nach unbegrenzter Freiheit. Es ist der Blick in ein Kaleidoskop menschlichen Verhaltens, das nicht durch äußere Handlungen, sondern durch Atmosphären, Stimmungen, Träume und Ängste zusammengehalten wird. Jenseits der Worte verflüchtigen sich die Missverständnisse und es beginnt die Hoffnung.

Miriam Neumaier und Timothy Roller sind die beiden Schauspieler aus der Masterclass der Theaterakademie August Everding, die 70 Minuten (ohne Pause!) singen, sich bewegen, sprechen, tanzen. Das alles in einer Synchronität der Bewegungen, auch, wenn sie Rücken an Rücken stehen. Eine wahre Meisterleistung. Dazu kommt, dass sie absolut stimmig und tonsicher auch die schwersten Harmonien meistern. In den Stücken Sondheims sind da einige Passagen zu finden, die den ganzen Sänger fordern. Sehr fein ist auch das Mienenspiel von Miriam Neumaier zu beobachten: Singt sie doch von der Schönheit der Liebe und verzieht das Gesicht in Traurigkeit. An dieser Inszenierung passt alles bis ins kleinste Detail. Nach der Premiere erzählen Miriam und Timothy, wie sie an die Arbeit gegangen sind:


„Heirat’ mich ein bisschen“ besteht aus 16 Songs aus 25 Jahren, jeder für sich ein kleines Meisterwerk, jeder ein Dokument seiner Entstehungszeit. Seit September tasteten sich Miriam Neumaier und Timothy Roller unter der Führung von Frieder Kranz an die Songs heran und entwickelten eine neue Geschichte. Eine Herausforderung, meint Regisseur Frieder Kranz:


Kranz meinte nach der Premiere, dass es ein besonderes Stück Arbeit gewesen sei, besonders, sich in die Songs und die Zeit zu versetzen:


Das unvergleichliche Ambiente des Silbersaals im Deutschen Theater tut das seine dazu, dass der Abend ein Erlebnis wird. Weitere Vorstellungen gibt es am 24., 25., 31. März und am 1. April, jeweils um 20 Uhr.

Zeichnung: Miriam Neumaier

„Heirat mich ein bisschen!“ ist eine Kooperation der Theaterakademie August Everding, der Hochschule für Musik und Theater München und des Deutschen Theaters München. Die musikalische Leitung und Einstudierung hat Christoph Weinhart, für Bühne und Kostüme sorgt Christl Wein Engel, die Choreographie besorgt Gaines Hall. Regie-Assistenz: Lili König, Produktionsleitung: Matthias Gentzen, Gesamtleitung: Marianne Larsen. Idee: Craig Lucas, deutsche Texte von Frank Thannhäuser.
Titelbild: Zeichnung von Miriam Neumaier

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