Rebell, Weltbürger, Erzähler: Oskar Maria Graf im Literaturhaus

Anlässlich des 50. Todestag ehrt das Literaturhaus München seinen „Schutzheiligen“ Oskar Maria Graf mit einer Ausstellung. Gleichzeitig feiert das Haus sich damit auch selber ein wenig, wird es doch 20 Jahre alt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Jahre des Exils, wenngleich auf mehreren Ebenen immer wieder an die bayerischen Wurzeln des weltoffenen wie rebellischen Schriftstellers erinnert wird.

Sechs verschiedene Porträts von Oskar Maria Graf, die der Wasserburger Karl Wähmann 1932 malte

Zwei, genau genommen drei Dinge sind es, die beim Betreten der Ausstellung auffallen. Da sind einmal sechs Porträts Grafs, die Karl Wähmann anfertigte. Graf war 1932 öfters beim Wasserburger Maler zu Gast, auch, um dem braunen Mief Münchens zu entgehen. Und wer die kreative Wirkung Wasserburgs (am Inn) ein wenig kennt, der kann gut nachvollziehen, dass es ein anarchischer Scherz der beiden gewesen sein muss, die Bilder einem den Nazis nahestehenden Kunsthändler anzubieten. Es waren übrigens zwölf Porträts, allesamt stilistisch verschiedenen Malern nachempfunden.

Oskar Maria Graf mit Mirjam im Boot

Das zweite sind die rohen, nahezu unbearbeiteten Bretter, die den Boden des Ausstellungsbereiches bilden. Und zum dritten ist es der Baum, der die Mitte des Raumes einnimmt und ebenso ungelenk und ungeschmeidig, kantig und schroff erscheint. Beides Sinnbilder für Graf, so Laura Mokrohs, neben Karolina Kühn eine der Kuratorinnen. Sie nennt sie liebevoll „die Planken des Exils“:

 

Im Literaturhaus werden die die zentralen Themen seines Lebens inszeniert: Rund um das Exil erinnern Stationen an seine politische Einmischung oder Einstellung, sein Netzwerk an Freunden und Kollegen, seine Lebenserinnerungen, die Sprache und die Heimat Grafs. Deswegen finden sich auch Schreibtische aus den verschiedenen Schaffensperioden Grafs in der Ausstellung. Ganz gleich, ob diese in München, Brünn oder New York standen, sie waren (auch politischer) Ort des Handelns von Oskar Maria Graf. Diesem Graf, der die Nazis aufforderte, auch seine Bücher zu verbrennen, der dann über Brünn nach Amerika auswanderte. Laura Mokrohs:

 

Gelesen werden die Texte von Friedrich Ani. Grund genug, sich unter den Baum in der Mitte zusetzen. Aber auch ein geglückter Griff, ist der Ani doch profunder Kenner des Werks von Graf wie auch eigenständige Verkörperung Bayerns:

 

Darüber hinaus liest Friedrich Ani auch die Texte im Audioguide. Und so hat Tanja Graf, die Chefin des Literaturhauses die große Chance ergriffen, den Todestag Grafs, den Geburtstag des Literaturhauses und die weltanschauliche Ausrichtung zu feiern:

 

In der Ausstellung finden sich auch immer wieder wichtige Zitate Grafs, die neben Zeittafeln das Bild des Schriftstellers abrunden

Die Ausstellung ist bis 5. November zu sehen. Das Literaturhaus München erreichen Sie bequem mit der U3,U4, U5, U6 bis zum Odeonsplatz. Hausadresse: Salvatorplatz 1.
Montag bis Freitag ist von 11 bis 19 Uhr geöffnet, Donnerstags zusätzlich bis 21.30 Uhr.
Samstag, Sonntag, Feiertage von 10 bis 18 Uhr.

Eintritt 6,-/4,- Euro, ein reichhaltiger Katalog ist für 10 Euro zu erwerben. Mehr zum Begleitprogramm auch auf der Website des Literaturhauses.

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