Unpolitische Operette in politischen Zeiten

„Die Herzogin von Chicago“ ist eine dieser Operetten, die sich perfekt in das Sommertheater einfügen lassen. Besonders in diesen Wochen vor einer Bundestagswahl. Sieht man doch, wie zwei Kulturen miteinander ringen und sich gegen eine Verschmelzung wehren, um dann doch miteinander zu neuer Größe zu gelangen. 

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Unpolitische Operette? Die Herzogin von Chicago hat auch heute durchaus eine Botschaft zu bieten. Bild: Budapester Operettentheater

Was in der musikalischen Allegorie Emmerich Kálmáns spielerisch geschieht, wo sich die Darsteller auf der Bühne abmühen, werben, verschmähen und mit Geld umher werfen oder offen zugeben, dass sie dessen bedürfen. Was aber auch im Libretto und der Regie umgesetzt wird: Hat der Jazz gegenüber der ungarischen Weise eine Vormachtstellung?

Ist ein Schloß, dass sich eine amerikanisch-reiche Lady kauft, so einfach seiner Geschichte zu berauben? Fragen, die beim Genuss der Operette aufkommen. Und ja, noch mehr: Ein wenig politisches Lehrstück ist es auch. Emmerich Kálmán schrieb die Operette in einer Zeit, in der die Nazis keinen Jazz zulassen wollten. Und so wehren sich die Protagonisten von Moranien und Sylvarien einerseits gegen ihre Verbindung und andererseits gegen den Aufkauf durch amerikanisches Geld. Widerstehen können sie nicht, am Ende wird aber alles gut. Charleston und Csardas nähern sich an und vermögen gemeinsam zu Größerem zu werden.
Hinreißend inszeniert, gesungen, gespielt vom Budapester Operettentheater. Inszeniert von Attila Béres, musikalische Leitung Tamás Bolba, in den Hauptrollen Mónika Fischl (Mary), Zsolt Hommonay (Erbprinz), Zsuzsa Kalocsai (seine Mutter) und Miklós Máté Kerényi als Bond, James Bond (ein Running Gag im Stück), dem kleinen Filmvorführer. Mit herrlichen Tanzeinlagen des Balletts des Budapesters Operettentheaters. Ein Sommergenuss im Deutschen Theater München, der auch in diesen politischen Zeiten Zeichen setzt. Reingehen! Noch bis Samstag, jeweils 19.30 Uhr, Samstag auch um 15 Uhr. Karten und weitere Informationen unter Deutsches Theater München.

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