Hören heißt „Sehen mit den Ohren“

oder: Das Nicht-Lineare im Linearen.

Wer mich kennt oder mich in Sozialen Medien, vor allem Twitter liest, merkt, dass ich sehr viel Radio höre. Grund genug, denke ich, mal meinen Radioplan und einige der Lieblingssendungen vorzustellen. Diesen Artikel steuere ich zur Blogparade #Kultblick des Archäologischen Museums Hamburg und Tanja Praske bei. Für mich ist Hören auch oft ein Sehen mit den Augen. Manchmal laufen da Filme vor dem inneren Auge ab, kommen Bilder ins Gedächtnis. Eine Archäologie des Hörens, gewissermaßen.
Interessant für den einen oder anderen Bastler mag dabei sein, dass ich, trotz ich großer DAB-Anhänger bin, ausschließlich über das Netz höre. Meine neueste Errungenschaft ist dabei „gustavmahler“¹, mein RaspberryPi der dritten Generation.
„gustavmahler“ zeichnet Radiosendungen auf, holt Podcasts und stellt mir diese im Netzwerk zur Verfügung. Grundlagen dazu habe ich hier aufgeschrieben, mittlerweile habe ich das etwas verfeinert, dazu später mal ein Update.
Heute soll es aber nicht um die Technik gehen, sondern um die Sendungen, die ich höre – und warum. Ebenso klar sollte sein, dass ich ein süddeutsch gefärbtes Hörverhalten habe. Beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass das alles Kultur ist, politische Kultur, Hörkultur, akustische Kultur in Lesungen, Heimatkultur (man verzeihe mir den Ausdruck) in traditioneller oder modernisierter Volksmusik. Viel zu schade, um nicht einmal drüber zu schreiben.

Kultur ist immer eine Frage der Positionierung, nicht des Posens.

Montag mit Freitag

Der Tag beginnt früh. Um 6 Uhr zeichnet „gm“ eine halbe Stunde B5 aktuell auf. Eine halbe Stunde Informationen aus der Welt, Bayern, der aktuellen Kultur, gefolgt von der kulturWelt auf Bayern2 (08.30-09.00).
09.05 Uhr ist dann Zeit für die SWR2 Musikstunde. Parallel dazu nimmt der Rechner um 09.45 Uhr das Zeitzeichen von WDR3/WDR5 ab.
Mittags um 13.05 Uhr kommt dann die radioWelt II von Bayern2 an die Reihe, anschließend die regionalZeit Süd. Am Dienstag und Mittwoch gönne ich mir auch gerne um 14.05 Uhr eine Dosis Tradimix auf BR Heimat, donnerstags das kulturLeben auf Bayern2. „Tradimix“bedeutet dabei, das traditionelle Volksmusik durch zeitgemäßen Elementen modifiziert wird, sei es textlich oder musikalisch. Ich halte es für eine große Errungenschaft, dass ein das Volkswissen, die -musik, -kultur hier aufgemischt präsentiert zu bekommen. Nebenbei könnte das nirgends besser als bei BR Heimat Platz haben. Es wird deutlich, dass konservativ eben auch heißt, tradiertes zu bewahren und anzupassen.
@mediasres ist sehr informativ und für einen Journalisten durchaus ein Pflichtprogramm. DLF, 15.35 Uhr.
Meine (un-)heimliche Liebe ist die Blasmusik. Hier kann ich BR Heimat empfehlen, 17.05 Uhr.
„Ten minutes Jazz a Day keep the doctor away“ – 17.50 Uhr auf SWR2: Jazz vor Sechs. Lassen sich bequem nach der Blasmusik und vor den Informationen am Abend (18.10 Uhr, DLF) hören.

An dieser Struktur wird schon deutlich, warum ich aufzeichne und nicht (nur) Podcasts abonniere: Ich habe auch ein Gewicht auf Musik, die in den Podcasts (meist) rausgeschnitten wird oder eben nicht angeboten wird. Und damit zum

Mein erstes DAB-Radio

Montagabend:

20.00 Uhr hole ich mir die Kollegen des deutschsprachigen Belgischen Rundfunks in die Bude: Chanson, Lied, Folk auf BRF1. Oftmals bekommt der Hörer hier auch Einblicke in das Schaffen deutscher Liedermacher. 21.05 Uhr ist dann Zeit für Theo.Logik (Bayern2), parallel dazu präsentiert auf WDR4 Götz Alsmann Swingmusik in Go, Götz, Go. Erinnerungen an eine Zeit, in der „Easy Listening noch nicht auf die leichte Schulter genommen wurde“, so betont es Alsmann immer wieder und gerne.

Dienstagabend:

Am Dienstagabend verzeichnet meine Hörliste nur eine Sendung: 21.05 Uhr, WDR4, Songpoeten. Interessant ist, dass je einmal im Monat Wolfgang Niedecken von BAP und Purple Schulz die Musik zusammenstellen und erzählen. Mal über persönliche Erlebnisse, Zusammenhänge, mal auch musikjournalistisch.

Manchmal braucht es nicht mehr als ein Radio oder einen Musikplayer und einen Kaffee. Brille ab, Augen zu und akustisch sehen

Mittwochabend

VIele Geschichten aus über 50 Jahren Pop- und Rockmusik (und damit auch -kultur) bietet der Mittwoch um 21.05 Uhr auf WDR4. Legenden heißt die Sendung. Ich war selbst überrascht, viele Details neu präsentiert und aufbereitet zu hören.
Währenddessen strahlt Bayern2 das „Dossier Politik“ aus. Ein aktuelles Thema unterschiedlich beleuchtet, mit Reportagen und interessanten Gesprächspartnern. Querköpfe präsentiert der Deutschlandfunk auch um die gleiche Zeit. Wenn nicht Tonträger-Neuerscheinungen von Kabarettisten vorgestellt werden, werden einem oft kleinkünstlerische (Sprach-)künstler in Protraits nahegebracht.

Donnerstagabend

Politische Kost, die auch immer einen Blick auf die Kultur unseres Abendlandes wirft, gibt es um 19.15 Uhr im DLF: Das DLF Magazin. Mal mit Berichten der Länderkorrespondenten, oftmals aber auch mit Zeitzeugen im Gespräch. Portraits runden diese dreiviertel Stunde ab. Die radioTexte um 21.05 Uhr auf Bayern2 bringen Lesungen aus Werken von Schriftstellern, durchweg sehr gut produziert und verleitend zum Kopfkino. Zeitgleich gibt es im DLF die JazzFacts. Musik und Informationen, Porträts und Entstehungsgeschichten von Jazz-Musikern und -Stücken. Ordnet oft ein und erklärt, ohne belehrend zu wirken. Und damit zum

AUDIO – und alle schauen gebannt

Freitag,

der schon nachmittags intensiver meine Ohren fordert: 14.05 Uhr Kabarett und Comedy in den radioSpitzen, gelegentlich auch mit Perlen, also Künstlern, die in der Provinz auftreten und noch nicht so bekannt sind. Immer dabei: Helmut Schleich mit Zugespitzt, am letzten Freitag des Monats ein Rückblick auf die letzten Wochen mit einem renommierten Kabarettisten. Um 15.05 Uhr dann sozusagen ein Funkklassiker: Schalom – jüdisches Leben, jüdischer Glaube. Michael Straßmann nimmt uns mit ins Funk-Schtetl, und die Smanim, die Lichtzündzeiten, der Anzündzeitpunkt der Schabbes-Kerzen ist für sich genommen schon ein Klassiker. so|zu|sa|gen, oder in der neuesten Modifikation: Sozusagen! folgt um 15.20 Uhr. Zehn Minuten mit Betrachtungen zur deutschen Sprache.
Features und langformatige Sendungen, auf die ich mich am Freitag freue, sind „Die Nahaufnahme“ um 15.30 Uhr auf Bayern2 (30 min) und um 19.05 Uhr auf BR Klassik „Das Musik-Feature“. Der Freitagabend gehört ab 20.05 Uhr vorzugsweise dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, live um 20.03 Uhr in BR Klassik.

Geschichte und Geschichten – das ist das Bayerische Feuilleton. Es ergründet oft tiefliegende Schichten

Samstag

Der Infoblock von B5 aktuell um 06.00 Uhr bringt neben den aktuellen Berichten auch die Klaro Kindernachrichten. Spannend, weil die kindliche Ausdrucksweise und die Nachrichtengewichtung von Kindern nochmal einen ganz anderen Blick ermöglichen. Bayerische Geschichte und Geschichten um 08.05 Uhr im Bayerischen Feuilleton. Ein Stundenformat, das ich sehr schätze, weil es Themen in den Mittelpunkt rückt, anhand derer Bayern, seine Geschichte und Bewohner, nähergebracht werden. Um 09.05 Uhr schalte ich zu SWR2, Jazz, das Pasticcio musicale mit Konrad Beikircher oder der Monatsrückblick mit Lars Reichow sind Radio-Schmankerl.
Nicht fehlen darf um 10.05 Uhr Klassik, Pop etcetera im DLF, um 11.05 Uhr schließt sich die Bayernchronik auf Bayern2 an. Abseitige und ungewöhnliche Blicke auf Bayern, kleine Reportagen, die im laufenden Programm oft untergehen oder so keinen Platz fänden. Das (ARD-)radioFeature findet um 13.05 Uhr seinen Platz, zeitgleich jazzt Götz Alsmann auf WDR3 Persönlich.
Kabarett und Kabarettfest um 15.05 Uhr auf WDR5 in der Unterhaltung am Wochenende.
Computer & Kommunikation informiert um 16.30 Uhr im DLF, die Kollegen Manfred Kloiber, Peter Welchering e.a. komprimieren die Themen der digitalen Woche unnachahmlich.
Der Abend klingt gemütlich aus: 17.05 Uhr, Bayern2, Jazz und Politik, 18.05 Jazz und mehr auf BR Klassik.

Sonntag

Neben den halbstündigen Magazinen der Fachredaktionen auf B5 aktuell empfehle ich um 08.05 Uhr auf BR Klassik „Die Bach-Kantate“, um 11.05 Uhr zwei Stunden Blasmusik mit Georg Ried auf BR Heimat, um 13.05 Uhr Daniel Hope in WDR3-Persönlich. Der Violinist schafft es meisterlich, Themensendungen zu machen und musikalische Häppchen zu liefern, ohne beliebig zu wirken. Da könnte sich ein nationaler, privater Klassiksender durchaus ein paar Lektionen abschauen.
Die Leselounge und die Liederlounge runden den Sonntagabend ab. Beide kommen auf WDR5, um 20.05 und um 21.05 Uhr. Nicht zu vergessen die „Erlebten Geschichten“, 18.05 oder 22.05 Uhr auf WDR5. Hier erzählen (prominente) Menschen, die mindestens 65 Jahre alt sind, aus ihrem Leben.

 

Radio – mehr als ein Kaleidoskop

Wer sich jetzt wundert, wie man diese Menge an Eindrücken, Sendungen und Informationen unterbringen kann: Abendsendungen schiebe ich oft am nächsten Tag ein oder lade sie auf mein Mobile, um sie während des Zugfahrens zu hören. Und manches, was nach zwei Minuten nicht so überzeugt, lasse ich dann gepflegt mit einem ‚rm -f‘ verschwinden.
Es würde mich freuen, wenn jemand hier Anregungen für seinen Radiotag bekommen hat. Gerne warte ich auch auf Kommentare mit Euren Lieblingssendungen.
Zugegeben, für einen #KultBlick ist der Beitrag auch ungewöhnlich. Aber ich habe eben oft Bilder vor meinem geistigen Auge, wenn ich Radiosendungen höre. Das kann die Interviewsituation sein, wenn ich Kollegen von Veranstaltungen mit Berichten im Radio höre, wo ich selber war, bis hin zur Imagination eines Karl May, der im Hotel liest, wenn ich eine Lesung aus Werken Mays in den radioTexten von Bayern2 höre.


¹ Meine Rechner haben allesamt Komponistennamen. So, wie viele Admins in Uni-Netzwerken Planeten- oder Götternamen verwenden, nehme ich Komponisten. Bislang nur männliche, der nächste Rechner wird allerdings weiblich benamst.

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7 thoughts on “Hören heißt „Sehen mit den Ohren“

  1. So eine interessante Sammlung von Radiosendungen! Da kann ich noch manch Neues entdecken. Am Freitag scheinen wir ja schon häufig das Gleiche im Ohr zu haben. ;-)
    Radio-Hören finde ich ja sehr verbindend. Mit einer guten Freundin, die viel zu weit weg wohnt, fühle ich mich jeden Samstagmorgen sehr nahe, weil wir immer „gemeinsam“ Ö1 Klassik-Treffpunkt hören.

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    1. Danke für das Lob – und vor allem für den Tipp mit dem Ö1-Klassik-Treffpunkt. Werde ich bei Gelegenheit mal reinhören. In früheren Jahren haben wir im IRC (seufz kennt kaum einer noch) oft gemeinsam Sendungen gehört und drüber gechattet. Das war auch interessant. Und was Verbindung schafft, ist immer gut. :-)

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  2. Ein informativer Bericht mit Sendungen, die ich noch nicht alle auf dem Schirm hatte. Danke für diesen #KultBlick. Auch wenn die Hörliste ja schon lang ist, will ich thematisch zumindest die Sendung “Jazzfacts“ auf DLF nicht unerwähnt lassen.
    Herzliche Grüße
    Katja

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  3. Danke für diesen ungewöhnlichen #KultBlick! Irgendwie animiert er mich dazu auch endlich mal wieder einmal so richtig bewusst Radio zu hören und es nicht nur als rauschenden Hintergrund zu nutzen. Vor allem die Sendungen auf WDR 4 klingen spannend, zumal der Sender bei mir eher den Ruf von „Schlager- und Volksmusik“ hatte.
    Eine Sendung allerdings kann ich auch noch beisteuern: WDR 2 „Sonntagsfragen“ von 8:00 bis 9:00. Immer wieder spannend und interessant und bis dato die einzige Radiosendung, die ich so bewusst höre; aber das wird sich dank dieses Beitrags wohl bald ändern.
    Herzliche Grüße
    Anja

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