Wie sieht ein Pferd die Welt?

Im Franz-Marc-Museum in Kochel am See wird ein großformatiges Gemälde ausgestellt und in einem Kabinett daneben wird der Geschichte der Schichten des Gemäldes auf den Grund gegangen. Dazu gibt es ein paar Interna aus dem Briefwechsel von Maria Marc, die nach Vorlagen von Franz stickte und ihm Briefe ins Feld schickte.

Dr. Cathrin Klingsör-Leroy ist die Direktorin des Franz Marc Museums in Kochel am See und stolz auf die Anschaffung „Große Landschaft I“, die ohne den Freundeskreis des Museums nicht möglich gewesen wäre
Dr. Cathrin Klingsör-Leroy ist die Direktorin des Franz Marc Museums in Kochel am See und stolz auf die Anschaffung „Große Landschaft I“, die ohne die Stiftung Etta und Otto Stangl nicht möglich gewesen wäre

„Gibt es für einen Künstler eine geheimnisvollere Idee als die, wie sich wohl die Natur in dem Auge eines Tieres spiegelt? Wie sieht ein Pferd die Welt oder ein Adler, ein Reh, ein Hund?“ – Als Franz Marc 1911/12 diese Zeilen schrieb, hatte er in jahrelanger, intensiver Arbeit die Komposition für seine großen Pferdebilder entwickelt, für seine heute so bekannten und beliebten Gemälde, auf denen die Tiere und ihre innige Verbindung zur Natur das zentrale Motiv sind und zum Symbol für sein Natur- und Weltverständnis werden. Interessant für Kunsthistoriker mag vielleicht sein, dass Klingsör-Leroy die Datierung des Gemäldes auf 1909 statt 1910 festlegt.

Große Landschaft I – hier mit den Fragmenten aus der Staatsgalerie Stuttgart (links) und einem New Yorker Privatbesitz

Museumsdirektorin Dr. Cathrin Klingsör-Leroy verdeutlicht die Intention des Gemäldes von Franz Marc, der aus der Perspektive der Pferde gemalt hat:

 

Marcs Gemälde „Große Landschaft I“ ist seit 2016 neu in der Sammlung des Franz Marc Museums. Bevor dieses Werk dem Restaurator übergeben und gehängt wurde, durchlief es eine wissenschaftliche Untersuchung im Doerner Institut in München. Das brachte den spannungsvollen kreativen Prozeß zutage, in dem es entstand. Die Untersuchung führte zur Entdeckung mehrerer vom Künstler abgetrennter Teilstücke des Werks. Ursprünglich dürfte das Gemälde wohl quadratisch gewesen sein, vermutet Cathrin Klingsör-Leroy:

 

In einem Nebenraum kann die Vorgehensweise der Restauration angeschaut werden:

Blick ins Kabinett, in dem die verschiedenen Schritte des Doerner Instituts verdeutlicht werden. Anhand von Projektionen und Text erfährt man Interessantes über die Enstehung der „Großen Landschaft I“
Blick ins Kabinett, in dem die verschiedenen Schritte des Doerner Instituts verdeutlicht werden. Anhand von Projektionen und Text erfährt man Interessantes über die Entstehung der „Großen Landschaft I“

Ein weiteres Kabinett widmet sich der Hinterglasmalerei von Franz Marc, den Stickereien, die seine Frau Maria nach diesen Vorlagen anfertigte – und es gibt Einblick in Briefe von Maria an Franz im Feld. Damit hat sich Claudia Kreile beschäftigt:

 

Einblick in das Schaffen von Maria, die ihrem Mann Franz regelmäßig Briefe ins Feld schickte und Stickereien nach seinen Bildern anfertigte
Einblick in das Schaffen von Maria, die ihrem Mann Franz regelmäßig Briefe ins Feld schickte und Stickereien nach seinen Bildern anfertigte

Die Ausstellung geht bis 18. Februar 2018. Eine Publikation mit erläuternden Texten und vielen Abbildungen ist im Museum erhältlich.
Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
82431 Kochel am See

Zwei Pferde

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