Fake oder News? Der spielerische Ansatz der Nachrichten-Verifizierung

Dieser Beitrag wurde am 18. März um 14.05 Uhr im Medienmagazin von B5 aktuell ausgestrahlt.

Augsburg, ein Viertel mit Gründerzeithäusern und Vorgärten, in denen sich der schäbige Winterrest nicht mehr lange halten wird.. Hier ist #fakeodernews zu Hause, in einer gemütlichen, hohen Altbauwohnung. Simon Sonnenberg, der Ideenvater von #fakeodernews, führt mich in die Küche. Es gibt Kaffee, bevor er zu erzählen anfängt: Die Idee kam ihm vor gut anderthalb Jahren:

Wie schaffen wir’s noch, Nachrichten anders aufzubereiten, neu aufzubereiten, so dass wir vielleicht auch Menschen zu Themen in Politik und Gesellschaft abholen können, die halt sonst vielleicht nicht unbedingt in das klassische Raster fallen, die sich nicht eh schon passiv regelmäßig in Artikel einlesen, mal ’n Fachbuch lesen etc. Wie schaffen wir es da, die Zielgruppe ein bisschen zu erweitern, was braucht’s für einen Hebel, um die abzuholen?

Simon Sonnenberg, Ideenhaber und Gründer von @fakeodernews
Simon Sonnenberg, Ideenhaber und Gründer von @fakeodernews

Sonnenberg hat für #fakeodernews den spielerischen Hebel gewählt:
(Hör-Beispiel)
Es handelt sich also um eine Internet-Plattform, die unterschiedliche Thesen aus Medien aufgreift und in einem interaktiven Quiz die Einschätzung des Users abfragt, ob die Meldung falsch oder richtig ist.

Erstens wollen wir Usern die Möglichkeit geben, schnell und einfach sich mit politischen Themen zu beschäftigen, zweitens wollen wir dann für wirklich kontroverse und sprachliche Feinheiten und Themen überhaupt mal sensibilisieren. Im dritten Schritt wollen wir ’ne einfache Möglichkeit geben, wie man sich intensiver in Quellen einlesen kann, und ’n Nadelöhr bieten, über das man sich dann wirklich differenziert und ausführlich in Themen einlesen kann, wenn man Interesse hat.Und im vierten Schritt idealerweise dann hinten raus noch über unsere Freundeslisten, über das Statistiktool ’n Anreiz bieten und ’n Ansatzpunkt, sich auszutauschen, ganz aktiv, im Freundeskreis und sagen: Hey, wow, warum weißt Du das, warum weiß ich das nicht? – und auch über die Plattform hinaus wirklich Diskussionen und Auseinandersetzungen fördern.

Sechs Begeisterte sind am Projekt beteiligt. Vier kümmern sich um die Redaktion, zwei entwickeln die Weboberfläche und eine Graphikerin setzt das Spiel entsprechend um. Die Idee zum schnellen Spiel um Wahrheit oder Fake ist ganz einfach:

Schaff ich’s, morgens und abends ne kurze Frage zu spielen? Das krieg ich hin. Die macht Spaß, ich kann mich mit meinen Freunden vergleichen, die dauert zwei Minuten maximal, bin ich durch alles durch, da hab ich die Frage beantwortet, da hab ich die Antwort durchgelesen, da hab ich mir die Quellen angeschaut, da hab ich geschaut, wie meine Freunde geantwortet haben. Und zweimal am Tag zwei Minuten, das schaff ich. Das ist die Idee. Deswegen isses auch primär für Mobilegeräte konzipiert, …

… funktioniert aber auf dem Desktop genauso.

Also, er muss sich nicht schwarz oder weiß entscheiden, er muss nicht sagen ‚fake oder news‘, sondern er kann auch Abstufungen setzen, wofür er unterschiedliche Punkte bekommt. Das ist dieser Spielcharakter drum herum. Er wird jetzt konfrontiert mit ’ner Aussage und muss abwägen, ob er das für fake oder für news hält. Sprich, es wird mit seinem Erwartungshorizont wird ’n bisschen gespielt, es wird mit seiner Sprachkompetenz gespielt, es wird mit seinem Vorwissen gespielt, auch mit seinen Befürchtungen, befürchtet er das, ist das ne negative Aussage? …

Geld verdienen wollen die Betreiber schon irgendwann einmal – aber eigentlich steht bisher etwas anderes im Vordergrund:

Die Idee ist auf keinen Fall zu sagen, wir wollen damit reich werden oder wir machen das aus kommerziellen Gründen und Zielstellungen, sondern die Idee ist wirklich, die Idee voranzubringen und Leute damit zu beschäftigen. Aber klar ist auch, irgendwann kommt mal der Punkt, wo man halt von Luft und Liebe und ’ner schönen Idee alleine ’s nicht mehr betreiben kann.

Im letzten Sommer kündigte Sonnenberg seine Stelle als Vertriebsleiter bei einem Sportunternehmen. Der 27-jährige ist Quereinsteiger wie alle seine Mitstreiter, er hat seine Ersparnisse in das Projekt mit Herzblut gesteckt, Finanziert wird das Ganze mit Crowdfunding. Eine niedrige sechsstellige Summe sei zusammengekommen. Am 31. März soll Release sein und bis dahin ist noch jede Menge zu tun. Aber Simon Sonnenberg glaubt an sein Projekt:

Nur das Gerüst drumherum ist’n spielerisches, das ’ne leichte Annäherung ermöglicht, aber der Kern ist schon sehr ernst und fundiert gemeint und auch gedacht.

 

zum Audio-Beitrag auf der Seite des B5 Medienmagazins.

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