Mittelbayerische Zeitung auf neuen digitalen Wegen

Die Mittelbayerische Zeitung baut ihre Redaktion um. Was genau dahintersteckt, habe ich mir für das B5-Medienmagazin angeschaut.

Hier das Skript:

Ein Großraumbüro, sieben Meter hoch und 740 Quadratmeter groß in der Mitte des Gebäudes. Hier sitzen 40 Redakteure und arbeiten an einem System. Sie kommen aus dem Überregionalen, aus Lokal-, Sport-, Wirtschaftsredaktion – und ein festes Ressort, dem sie zuarbeiten, haben nur noch die wenigsten. Die Spezialisten ausgenommen. In diesem Newsroom wird die Mittelbayerische Zeitung produziert – digital und analog. Das Arbeiten habe sich verändert, sagt Newsdesk-Chefin Claudia Bockholt:

Wir haben eigentlich die Ressortgrenzen weitgehend aufgelöst, wir haben die Grenzen zwischen Print und Online weitgehend aufgelöst. Wir haben eine integrierte Redaktion. Wir denken nicht mehr von Kanälen her, sondern wir denken von Themen her. Wir schauen erst mal, welche Themen wollen wir haben. Und dann überlegen wir, wie wir sie für die einzelnen Kanäle aufbereiten.

Chefredakteur Manfred Sauerer betont, dass die Mittelbayerische im Prinzip schon vor sechs, sieben Jahren angefangen habe, diesen neuen Weg zu beschreiten.
So hat sich die Berichterstattung verändert. Es wird mehr vom Ausspielweg her gedacht. Der Reporter liefert das Rohmaterial:

Normalerweise geht ’n Reporter nicht raus, ohne vorher mit den Produktverantwortlichen gesprochen haben, die die Socials oder die die Website betreuen oder auch mit unserem Gestaltungsleiter für Print. Die Kollegen, die rausgehen zu einem Termin oder zu ’ner Veranstaltung, die haben eigentlich schon nen ganz klaren Auftrag.

Bei größeren Ereignissen wird der Reporter vor Ort natürlich durch Video-Journalisten oder Social-Media-Erfahrene unterstützt. In der Regel arbeitet der Reporter vor Ort aber für alles:

Die kommen mit kleinen Videoschnipseln kommen die wieder, ja genau, das wird vorher alles, alles besprochen.

An einer elektronischen Wand neben dem Newsdesk werden die Fakten präsentiert: An vier Monitoren sehen die Redakteure, welche Themen auf der eigenen Seite laufen, in den Sozialen Medien – und was die Konkurrenz macht. Davor eine Stele mit einer Tastatur:

Und sie können auch sofort an dem Platz dort m’im Stehen Dinge ändern.

An dem Tag beispielsweise, an dem im Bayerischen Landtag über die Bayernhymne debattiert wird, mischt auch die Mittelbayerische mit:

Wir haben jedenfalls gesehen heute morgen, dass es ’n Video dazu gibt und das habe ich dann auch an die Kollegin von der Webseite weitergegeben und gesagt, das sollten wir auf jeden Fall auf die Website hieven, weil sich die Leute das bestimmt ganz gerne ankucken.

Trotz aller Veränderungen: Die Ressortleiter, so Chefredakteur Sauerer, seien nicht beschnitten worden:

Es gab schon einen Mini-Nucleus, die Einheit haben wir vergrößert und haben uns befasst mit all dem, was da notwendig ist, mit den Wegen, mit der Verarbeitung. Ma darf ja ned vergessen, durchgängige Systeme zwischen Zeitungsmachen und Online-Veröffentlichung sind noch nicht so alt. Also die Systeme konnten des früher gar ned, ma hat umständlich Inhalte von da nach da übergeben müssen.

Die Veränderungen seien alleine den Ausspielwegen geschuldet. Den Weg gehe jeder mit, versichert Manfred Sauerer im Beisein der Redakteure. Offensichtlich ist der Plan der MZ aufgegangen, seit Jahren Volontäre multimedial auszubilden:

Des is’n Kulturwandel des Berufs, weil er plötzlich neue Zeiten, Reaktionszeiten verlangt. Man konnte sich nicht nach dem alten, eingeübten Tagesablauf – irgendwann fang’ ich an, irgendwann muss ich aufhören – wenn ich da auch wirklich aufhören will, muss ich des, was ich zu arbeiten haben, bis dahin auch fertig hab’, aber vorher muss ich’s ned unbedingt fertig haben.

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