MucBook – der Versuch eines dreidimensionalen Stadtmagazins

Das Manuskript – die O-Töne wie immer kursiv. Und hier geht es zum Audio-Beitrag.

(Atmo: Spider Murphy Gang – Sommer in der Stadt)

München in den 90er Jahren. Das Internet war noch eher was für Exoten, Ausgehtipps, Kultur und Nightlife gab es in PRINZ – dem Stadtmagazin schlechthin. Legendär waren die rotzfrechen Kommentare der Setzerin Angie, grade bei den Kontaktanzeigen. Zuerst wurde Angie eingespart, Ende 2012 Prinz als gedrucktes Magazin eingestellt. Für Marco Eisenack fehlte etwas::

Es ist die völlig falsche Antwort der Verlage, zu sagen, wir machen jetzt nur noch online, weil das Internet da ist. Natürlich gibt es weiterhin verschiedene Formen, wie Medien konsumiert werden, es wird ja nicht alles nur noch digital funktionieren. Aber das genussvolle Lesen eines Magazins, das längerfristig aktuell bleibt, in das ich immer mal wieder reinblätter’, das ich vor allem liebend gerne auch ins Regal stelle und gerne anschau’, diese so oft zitierte Coffee-Table-Magazin-Kultur, das ist im Grunde das MucBook.

Zweimal pro Jahr erscheint das gedruckte MucBook. Die Wurzeln liegen jedoch im Internet. MucBook versteht sich als Portal, als Anlaufstelle für Inhalte, …

… die vielleicht etwas anders sind als die, die ich täglich in der SZ oder beim BR oder in den gängigen Mainstream-Medien sehe und vielleicht den Außenblick, den Innenblick, den Querblick und all dies auch darstellt. Und Mucbook.de hat sich dann anfangs gegründet aus einer Gruppe Journalisten, die damals bei der Süddeutschen zusammen saßen und haben gesagt: ‚Wir sind uns völlig klar darüber, dass die Tageszeitung auf Papier nicht das Medium sein wird, das wir als Rentner noch konsumieren werden. Trotzdem wollten wir aber gerne Journalismus machen, bis wir Rentner sind. Also müssten wir doch ’n bisschen uns Mühe geben, die Digitalisierung im Journalismus mit voranzubringen, und zwar in unserem Sinne voranzubringen, nämlich mit qualitätvollem Journalismus.

MucBook stellt Texte von ausgesuchten Münchner Blogs auf seiner Seite vor, Eisenack sagt: Hochwertige Blogs. Texte, die auch ins Printheft übernommen werden können. Eine zweigeteilte Strategie, kuratierte Blogs für die aktuelle Information, das gedruckte Magazin ein Spiegel Münchens mit Ideen, Visionen:

Momentan haben wir das immer noch vom Konzept her beibehalten, allerdings mehr noch ’n Focus auf Journalismus, konstruktiven Journalismus, und eben längerfristig auf diese, dass es wirklich dann auch aktuell bleibt in diesem halben Jahr.

Das Heft, auf hochwertigem Papier gedruckt, mit Kartonage-Papier als Einband, finanziert sich hauptsächlich über Werbeanzeigen. 15.000 Hefte werden gedruckt, nicht alle finden über Pressegrossisten den Weg an den Kiosk. Eisenack hat Premium-Partner an der Hand, in deren Geschäft oder bei deren Event das Magazin auch aufliegt:

Der Clou ist natürlich, dass es kaum eine Messe gibt oder kaum einen Hotspot, wo wir nicht Partner sind, oder sowieso vor Ort sind oder die nicht sowieso mit uns kooperieren wollen. Und darum ist eben natürlich das Geschäftsmodell auch anzeigenabhängig beim Printheft. Aber – und das ist auch der große Teil natürlich der Erlöse derzeit, dass man eben sagt: ‚Wir wollen einfach überall in der Stadt präsent sein, wo die richtigen Leute sind.

Die Aktivitäten sind unter dem Dach „Medienhaus München“ zusammen gefasst, einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft. Die Website hat laut Mediadaten 50.000 Website-Besucher monatlich, 100.000 page impressions. der durchschnittliche Leser bleibt anderthalb Minuten auf der Website. Firmen und Institutionen können ein Tagebook kaufen, so heißen die Blogeinträge bei MucBook,. Das wird entweder von Eisenack und seinem Team betreut oder selbst verantwortet. Aber: Mucbook wirbt auch mit einem Team aus 80 Autoren, Bloggern und Fotografen. Sie sollen sicherstellen, dass mucbook.de nicht nur Informationsquelle, sondern auch Sprachrohr einer Münchner Generation ist. Ronja Lotz:

Wir haben ganz viele so kleinere Nischenprodukte, Slowdown ist Münchener Manufakturen und München achtsam erleben. Dann haben wir Grün und Gloria, das ist ‚gute Dinge machen‘, gute Dinge tun hier in München, wir haben mit Himbeer ein Magazin, was für Eltern und ja, für Münchner Eltern praktisch ist. Was gibt’s noch? Kolossal ist das Münchner Schülermagazin. Also letzten Endes gehören die alle zu dem Münchner Medienhaus.

Ein dreidimensionales Stadtmagazin soll es sein – und die jüngste Dimension ist der Member Club. Studenten und Azubis zahlen 29 Euro im Jahr, Normalmitglieder 50, Sponsoren 100. In Werkstattgesprächen soll man die Redaktion kennenlernen, man kann sich auf der Memberseite im Heft und Netz austoben, verspricht Eisenack. Neben zahlreichen Gutscheinen, exklusiven Verlosungen und Kuratorenführungen eine andere Art der Leser-Blatt-Bindung.

Advertisements