In der ARE Bamberg werden Kinderrechte missachtet

In den so genannten Aufnahme- und Rückführeinrichtungen (ARE) des Freistaats Bayern in Bamberg und Manching werden kinderrechtliche Standards nicht eingehalten. Für Bamberg hat dies eine wissenschaftliche Studie im Auftrag der Hildegard Lagrenne Stiftung bestätigt. Anhand der Studie weist deren Geschäftsführer Romeo Franz detailliert nach, wie dort „Bildung, Gesundheitsversorgung und Schutz vor Übergriffen und Diskriminierung … unter das notwendige Minimum reduziert“ wurden. 

Romeo Franz stellte mit Christine Kamm die Pilotsudie der Hildegard-Lagrenne-Stiftung vor. Die Zustände in der ARE Bamberg sind nach Meinung der Grünen unhaltbar.
Romeo Franz stellte mit Christine Kamm die Pilotstudie der Hildegard-Lagrenne-Stiftung vor. Die Zustände in der ARE Bamberg sind auch nach Meinung der Grünen unhaltbar.

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Jogi Löw stellt nicht nach Glauben auf – Kultur im Wandel

Eine schwere Aufgabe, die Axel Kopp da stellte. Viele Fragen, die er aufwirft und die ich von allen am allerwenigsten beantworten kann. Nur eines glaube ich zu wissen, da ich mich drei Jahre mit Flüchtlingen und Migranten beschäftige: So, wie es einige denken, wird es nicht gehen. Weder Migranten, die schon länger in Deutschland sind, noch Flüchtlinge werden sich für „Hochkultur“ begeistern. Kultur wird erst einmal auf der Straße, in unserem Lebensumfeld stattfinden.

Mojtaba und Masoud Sadinam im Gespräch mit Martin Neumeyer
Mojtaba und Masoud Sadinam im Gespräch mit Martin Neumeyer

2013, mitten im Landtagswahlkampf, machte Martin Neumeyer, der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, einige sehr interessante Veranstaltungen. Unter anderem gab es eine Lesung mit zweien der drei Brüder Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam. Sie sind im Iran der 1980er aufgewachsen. Ihre Eltern sind regimekritisch eingestellt und ihr Mutter ist bei einer Flugblattaktion erwischt worden. Also müssen sie untertauchen und abhauen. Mit Hilfe eines Schleppers kommen sie nach Deutschland. Die Ungewissheit im Lager, das Hoffen und Bangen, ob der Asylantrag doch noch genehmigt würde, ein Selbstmordversuch der Mutter und: Der Versuch sich kulturell zu integrieren – all das steht in diesem Buch. Eine Ausschnitt aus der Lesung:


Es ist die Geschichte einer Suche dreier junger Menschen nach Heimat und Freiheit und eine Geschichte über den Wunsch, dazuzugehören. Schliesslich kommt es zur Verhandlung:


Die drei Brüder sind so etwas wie die Vorzeige-Flüchtlinge von Martin Neumeyer. Das ist nicht abwertend gemeint. Sie sind im besten Sinne das, was sich jeder Kulturschaffende wünscht: Integriert, Studien-Stipendiaten, offen, kulturell interessiert. Nur: Sie sind Ausnahmen. Im Dezember 2012 habe ich Martin Neumeyer in die Moschee in Markt Schwaben begleitet. Er versuchte CSU-Parteifreunden wie auch Migranten klar zu machen, wie niederschwellige Kultur in Deutschland aussieht. Die beginnt dann auch schon mal auf dem Fußballplatz. Jogi Löw stellt nicht nach Glauben auf:


Bei dieser Veranstaltung kam sehr schön zum Ausdruck, an was die Integration in Deutschland immer wieder scheitert: Am Miteinander. Einheimische, die der Einladung des „Türken von nebenan“ zu einem Grillabend nicht folgen wie umgekehrt auch.
Da ist noch viel Graswurzelarbeit zu leisten. Bestenfalls gibt es dann mal Vorzeigeprojekte wie „Noah“ an der Bayerischen Staatsoper. Die Regel wird das nicht sein. Mit einigem Abstand sieht Martin Neumeyer das vielleicht auch nüchterner, als er das damals sah, vor dem großen Flüchtlingsaufkommen.


Es soll nicht desillusionierend klingen, aber: Ich vermute, dass beide Seiten mit falschen Erwartungen an den Kulturwandel herangehen. Dieser wird ganz weit unten, beim Essen einsetzen müssen – für die breite Masse. Beim Zuhören, aufeinander zugehen. Die Kultur des anderen akzeptieren. Und da fehlt es halt auf gut bairisch gesagt no vom Boa weg (vom Bein weg).


Da war es, das geschmähte Wort der „Leitkultur“. Die Frage, die sich aufdrängt ist nun wirklich ganz einfach: Wie bekommt man die verschiedenen kulturellen Einflüsse unter einen Hut, ohne die eigene Identität aufzugeben. Braucht es wirklich eine Leitkultur, der man sich unterzuordnen hat? Oder langt es, die eigene Kultur einfach nebenher zu leben, wo immer es geht und damit eine Gettoisierung voanzutreiben? Solange diese Fragen nicht geklärt sind, die Basics also nicht da sind, sehe ich schwarz, Flüchtlinge in großen Zahlen in Museen, Oper oder Theater zu bekommen.

Martin Neumeyer vor einem Gemälde, das ihm ein Asylbewerber geschenkt hat: „Flüchtlinge“.
Martin Neumeyer vor einem Gemälde, das ihm ein Asylbewerber geschenkt hat: „Flüchtlinge“.

Bayerische Metall- und Elektroindustrie hofft auf neue Höchstmarke bei Ausbildung

In der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie wurden 2015 knapp 14.700 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das entspricht einem Plus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Jahr wird eine neue Höchstmarke erreicht, erläuterte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bei einem Pressegespräch in München. Dennoch: Die Unternehmen blicken mit Unsicherheit in die Zukunft. Grund: Die wirtschaftliche Lage.

Bertram Brossardt (vbw/bayme) mit einem gemischten Ausblick auf die Ausbildungszahlen 2016. Trotz vieler Flüchtlinge, die hochmotiviert eine Ausbildung zum Elektro-Metaller beginnen wollen, kann die Nachfrage nach Lehrlingen nicht befriedigt werden.
Bertram Brossardt (vbw/bayme) mit einem gemischten Ausblick auf die Ausbildungszahlen 2016. Trotz vieler Flüchtlinge, die hochmotiviert eine Ausbildung zum Elektro-Metaller beginnen wollen, kann die Nachfrage nach Lehrlingen nicht befriedigt werden.

Die aktuelle Situation fasste Brossardt zusammen:


In Bayern ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 0,3 Prozent gestiegen, das sind über 92.000. Demgegenüber stehen knapp 82.00 Bewerber, so dass theoretisch jeder ausbildungswillige und -fähige Jugendliche mehr als einen Ausbildungsplatz zur Verfügung hätte. Seit dem doppelten Abiturientenjahrgang 2010/11 sinken die Absolventenzahlen regelmäßig. Waren es damals noch 170.000, werden es 2018/19 nur noch 131.210 Absolventen sein. Wie sich der Flüchtlingszuzug auswirkt, bleibt abzuwarten. Die Euphorie des letzten Jahres ist etwas verflogen, das merkt man Brossardt an. Was man sagen kann: Der Rückgang der Absolventenzahlen flacht ab, ob sich die Ausbildungszahlen signifikant steigern, muss man abwarten.
Durchweg bildet die bayerische Metall- und Elektroindustrie auf sehr hohem Niveau aus. Bertram Brossardt:


Die Gründe für nicht noch mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge liegen laut Umfrage in der hohen Unsicherheit der Unternehmen bezüglich der zukünftigen konjunkturellen Lage. Darüber hinaus begründeten fast 45 Prozent der Betriebe, die nicht alle Lehrstellen besetzen konnten, dies mit fehlenden geeigneten Bewerbern. Zurückgegangen ist die Zahl der unbefristeten Übernahmen nach der Ausbildung. Während 2014 noch knapp 60 Prozent der Unternehmen ihren Azubis im Anschluss an die Ausbildung einen unbefristeten Arbeitsvertrag anbieten konnten, werden dies 2016 laut der Umfrage nur noch 45 Prozent machen können. Dennoch ist die Übernahmequote in der bayerischen M+E Industrie insgesamt gut. 2015 übernahm knapp die Hälfte der Unternehmen ihre Azubis sofort unbefristet. Insgesamt wurden 96 Prozent nach der Ausbildung entweder sofort unbefristet oder befristet übernommen. „Das ist ein deutliches Signal, dass M+E Betriebe dem Erfolg vertrauen und ihre selbst ausgebildeten Fachkräfte langfristig an das Unternehmen binden wollen“, betont Brossardt. Wer eine Ausbildung in der M+E Branche beginnt, hat neben besten Übernahme- und Karrierechancen auch bereits während der Ausbildung ein gutes Einkommen. „Die Azubi-Gehälter liegen bei uns auf einem Spitzen-Niveau. Im Durchschnitt verdient ein Auszubildender über die gesamte Ausbildungszeit rund 1.015 Euro im Monat“, so Brossardt. Das ist natürlich auch mit Kosten für die Arbeitgeber verbunden:


Knappe elf Prozent besetzen heute bereits Praktikumsplätze mit Flüchtlingen und Asylbewerbern. Letztes Jahr waren das erst gut sieben Prozent.


Die bayerische Metall- und Elektroindustrie wird in den kommenden Jahren auch verstärkt auf die digitale Fortbildung setzen und sich dort mit Projekten engagieren. Als Beispiel nannte Brossradt die Unterstützung des ‚Medienführerschein Bayern für Berufliche Schulen‘, um diese Kompetenzen zu fördern.

Zorneding ist kein Einzelfall.

Der katholische Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat um seine Entpflichtung in Zorneding gebeten. Nachdem er sich im Herbst 2015 gegen die örtliche CSU gewandt hatte – deren Vertreter hatten Flüchtlinge als „Invasoren“ bezeichnet und den Pfarrer selbst als „unseren Neger“ beleidigt – streckt er die Segel.
Dabei ist diese Art von „katholisch sozialisiertem“ Rassismus nicht neu.

Ich bin aufgewachsen in einem der katholischsten Orte Bayerns, der keine Heiligtümer vorzuweisen hat, die verehrungswürdig wären. Katholisch im Sinne von allumfassend: Unser Pfarrer hat schon in den 1970er Jahren ohne Federlesens Selbstmörder auf dem Kirchacker begraben, meine Schwester hat eine evangelische Taufpatin, Kardinal Ratzinger, bedeutende Jesuiten verbrachten die hohen Feiertage mit uns – und für uns Ministranten waren die Sommerferien vom Pfarrer immer sehr spannend. Denn da kam regelmäßig eine Urlaubsvertretung.

Eines Sommers hatten wir dann einen dunkelhäutigen Pfarrer als Urlaubsvertretung, einen, um es der CSU verständlich zu machen: Neger.

Am Wochenende vor seinem Urlaub hat unser Pfarrer konzelebriert und seine Vertretung vorgestellt. Was mir – ich war damals ein Knabe von sieben bis zehn Jahren – in Erinnerung blieb: Nach dem Einführungsgottesdienst waren die Kirchenbesuchszahlen nach meiner (rudimentären) Erinnerung noch normal, die Schwestern aus den Erholungsheimen, die üblichen „verdächtigen“ Weiberl. Was mir jedoch auffiel: Schon am ersten Wochenende, an dem der Urlaubsgeistliche zelebrierte, war die Kirche merklich leerer als sonst. Und unsere Kirche war sonst bis auf den letzten Platz gefüllt. Es wurden von Wochenende zu Wochenende weniger, die in den Gottesdienst kamen. Trotz Sommer und Urlaub. Nicht, dass ich das damals besonders registriert hätte, es ist mir heute beim Nachdenken so eingefallen. Auffällig war es schon.

In den Jahren vorher und nachher ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir Ministranten mit allen Urlaubsgeistlichen und unserem Pfarrer eine Bergtour unternahmen. Selbst mit dem Holländer, der uns vom Heimatpfarrer als holländischer Prinzensohn vorgestellt wurde, der Pfarrer geworden sei. Nur mit diesem dunkelhäutigen Geistlichen nicht. Der ist ohne Verabschiedung und gemeinsame Unternehmung gegangen.

Ich möchte keinem irgendetwas unterstellen – aber irgendwas war damals anders.
Latent, für ein Kind nicht fassbar.
Irgendwas war da.